4.5.4 Anwendungsbeispiel

Betrachten wir jetzt ein praktisches Beispiel der Anwendung von Attribute Listing.

Attribute Listing kann verbessert werden, wenn man anfangs eine spezifische Frage im Sinn hat.1

Versuchen Sie die berühmten 6 W–Fragen, die jeder Zeitungsbericht beantworten muss (Journalist-Six): Wer?  Was?  Wann?  Wo?  Warum?  Wie?

Auch folgende Fragen können bei der Anwendung auf eine Situation oder ein Problem hilfreich sein:

Übernehmen? Modifizieren? Ersetzen mit? Vergrößern/Maximieren?
Umarrangieren? Umkehren? Kombinieren? Minimieren/Entfernen?

Etwas hinzufügen/entfernen? Farbe ändern? Materialien variieren?    
Teile reorganisieren? Form ändern? Stil anpassen?

Robert Harris gibt in seinem Artikel “Creative Thinking Techniques“ (Kreative Denktechniken)2  folgendes Beispiel, wie Attribute Listing zur Problemlösung eingesetzt werden kann:

Sagen wir, Sie arbeiten für einen Hersteller von Kugellagern und Sie finden heraus, dass ein Fehler an einer Werkzeugmaschine zur Produktion von 800 Millionen leicht exzentrischer Lagerkugeln geführt hat. Nun könnten Sie fragen, „Was fange ich bloß mit 800 Millionen exzentrischer Kugeln an?“ Natürlich kommen Ihnen ein paar Dinge in den Sinn, wie Munition für eine Schleuder oder Murmeln für Kinder. Sie können aber auch die Kugeln anhand ihrer Attribute zerlegen, also: sie sind rund, schwer, aus Metall, glatt, glänzend, hart und magnetisierbar. Nun können Sie die Frage anders stellen: „Was kann ich tun mit 800 Millionen schweren Objekten?“ oder „Was kann ich tun mit 800 Millionen glänzenden Objekten?“

Sie können jedes identifizierte Attribut untersuchen und Fragen dazu stellen, etwa so:

Wozu können schwere Objekte verwendet werden?
Briefbeschwerer, Schiffsballast, Baumständer, Waagengewichte, usw.

Was kann man mit Objekten aus Metall tun?
Strom leiten, magnetisieren, einschmelzen und Werkzeuge aus ihnen machen.

Attribute Listing kann auch im Marketing und in der Produkt Positionierung   angewendet werden. Die Positionierung eines Produktes im Markt kann durch folgende Faktoren erleichtert werden:

  • Produktmerkmale – Gemüse aus biologischen Anbau
  • Produktvorzüge – ein bestimmtes PKW-Modell hat zusätzlichen Stauraum im Heck, der variabel genutzt werden kann, entweder für den Einbau zusätzlicher Sitze oder als Gepäckraum, somit ist das Fahrzeug ideal für Familien
  • Assoziation eines Produktes mit seinem Nutzen oder seiner Verwendung - „Das Hochzeitsreiseziel“
  • Anwendergruppen – Assoziation des Produkts mit einem Anwender oder einer Anwendergruppe – Mobiltelefone für die junge Führungskraft
  • In Bezug auf den Wettbewerb – kompatibel mit Produkt X

Die Positionierung eines Produktes muss jedoch unter Umständen aus einer Reihe von Gründen geändert oder angepasst werden, z.B. neuer Wettbewerber, neue Technologie, neues Verbraucherverhalten etc. Attribute Listing kann in einer solchen Situation verwendet werden, um eine Neupositionierung eines im Markt befindlichen Produktes vorzunehmen oder die Positionierung anzupassen.

 

Könnte die Markpositionierung eines Ihrer Produkte oder einer Ihrer Dienstleistungen verändert werden? Versuchen Sie es einmal mit Attribute Listing, um neue, kreative Wege zu finden, Ihr Produkt zu vermarkten.


1 Sowohl Robert Harris in seinem Artikel „Creative thinking techniques“ (Kreative Denk-Techniken) und Tony Proctor in seinem Buch “Creative Problem Solving for Managers” (Kreative Problemlösungen für Manager) befassen sich damit, wie Fragen diese Kreativitätstechnik verbessern können.
2 www.virtualsalt.com/crebook2.htm