4.1.2 Kreativitätsprozess und kreatives Produkt

Schauen Sie sich noch einmal die Definition von Kreativität an. Ist Ihnen aufgefallen, dass sie nicht als Fähigkeit, sondern als Prozess definiert wird?

Der Kreativitätsprozess ist zeitlich ausgeweitet und er ist charakterisiert durch Originalität, Anpassungsfähigkeit und Realisierung. Der Prozess bewirkt die Schaffung von etwas Neuem, Ungewöhnlichem, und das Ergebnis ist ein nützliches Produkt1. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Prozess von einem Individuum (Abb. 1) oder einer Gruppe (Abb. 2) durchgeführt wird. Der Kreativitätsprozess verläuft in beiden Fällen ähnlich.

Die Gemeinsamkeiten aller Kreativitätsprozesse:

  1. Der erste Schritt ist die Vorbereitungsphase, in der Informationen und Daten gesammelt werden. Es ist sehr wichtig, zu wissen, was über das betreffende Gebiet bereits bekannt ist. Tiefgreifendes, relevantes Wissen und Erfahrung gehen kreativen Ideen voraus. Bei diesem Punkt sind Gruppen gegenüber Individuen potenziell im Vorteil, denn Gruppen verfügen über einen wesentlich tieferen Hintergrund und über mehr Informationen, da sich das Wissen der Individuen addiert. Den Mitgliedern der Gruppe sollten generell alle notwendigen Informationen auf einfache Weise zur Verfügung stehen.
  2. Es folgt das Brainstorming, die Ideensammlung. Wir sind wesentlich kreativer, wenn es die Chance gibt, dass unsere Ideen umgesetzt werden, wenn wir also sehen, dass unsere Ideen nützlich sind. Dieses Gefühl der Sinnhaftigkeit kann verstärkt werden, indem die Ziele geklärt werden: Was sehen wir als nützlich an, was wollen wir erreichen? Beim Brainstorming ist es ganz wesentlich, nicht zu urteilen, sondern jeder Idee ihren Raum zu lassen, die Gedanken frei schweifen zu lassen und zu ungewöhnlichen Assoziationen zu kommen. 2
  3. Nachdem die Ideen aufgeschrieben sind, sollte eine gewisse Inkubationszeit verstreichen, in der sich nicht mit dem Thema befasst wird. Gewöhnlich kommen nach einer Weile spontan neue, einzigartige Gedankenverbindungen zustande.
  4. Das Ergebnis: Neue Ideen tauchen auf. Der „AHA-Moment“ stellt sich oft dann ein, wenn wir das fehlende Teil des Puzzles als Antwort auf eine Frage finden. Manchmal rekapitulieren wir auch die zuvor aufgeschriebenen Ideen und vervollständigen sie mit einer neuen Problemlösung.
  5. Der letzte Schritt ist die Auswahl der Optionen zur Implementierung und die Ausarbeitung der ausgewählten Ideen. Die Umsetzung neuer Ideen zum Vorteil der Organisation ist genau so wichtig wie die Generierung der neuen Ideen.
  6. Nun können wir damit beginnen, die Implementationspotenziale der Ideen zu bewerten und die besten davon in eine gemeinsame Lösung einzubringe .3

Abb. 1: Uccellos Modell des Kreativitätsprozesses für Individuen 4

Abb. 2: Kreativitätsprozess in Gruppen5


1 Leonard D.; Swap W. (1999): When sparks Fly. Igniting Creativity in groups
2
Für weitere Informationen siehe die Kapitel 4.2 Brainstorming sowie 4.3 Die Methode 635 (Brainwriting) in diesem Leitfaden
3 Csikszentmihályi (1996): Creativity. Flow and the psychology of discovery and invention
4 http://hubpages.com/hub/UccelloTM-Process-as-a-tool-for-New-Product-Development
5 Leonard D.; Swap W. (1999): When sparks Fly. Igniting Creativity in groups