4.1.4 Eine kreative Umgebung

Eine kreative Umgebung ist eine Umgebung, in der die Menschen ungezwungen ihre Ideen ausdrücken können und in der positives Feedback und Unterstützung bei der Entwicklung der Ideen erfolgen.1 In einer kreativen Umgebung ist eine Wissensbasis verfügbar, die Teilnehmer sind aufgeschlossen und werden durch zahlreiche Interaktionen inspiriert, basierend auf ihren Interessen, die ihr Selbstvertrauen stärken; Außerdem wird der Entwicklung neuer Ideen Raum gegeben, die sehr wahrscheinlich ebenfalls umgesetzt werden. 

Abb. 5: Faktoren einer kreativen Umgebung2

Soziales Umfeld und organisatorische Struktur zur Verbesserung der Kreativität

 

Organisatorische Struktur und Kultur

Allgemein können wir feststellen, dass eine die Kreativität fördernde Organisationsstruktur flach und flexibel ist und aus unterschiedlichen Teams besteht, die für aktuell anstehende Aufgaben gebildet werden. Das ist ein Hinweis darauf, dass Menschen einander anerkennen, als das was sie sind – unabhängig von ihrer Stellung im Unternehmen – als einzigartige Individuen, die alle gleich sind.

In KMU findet man diese Situation eher, denn deren Mitarbeiter müssen verschiedene Aufgaben gleichzeitig ausführen, wobei die Bestimmungen zur Ausführung weniger strikt sind.

Die Organisationskultur sollte aufgeschlossene Menschen dabei unterstützen, ihre Ideen zu formulieren, es sollten keine Versagensängste erzeugt werden, und es sollte positives Feedback bei der Entwicklung der Ideen geben. Dies führt zu positiven Beziehungen und Vertrauen, Grundvoraussetzungen, um uns offen äußern zu können.

Führungsstil

Die traditionelle Klassifizierung der Management-Stile liest sich so: autoritärer Stil, demokratischer Stil, permissiver Stil (laissez – faire)3. Es wird jedoch nicht empfohlen autoritär zu führen, wenn Sie eine kreative Umgebung schaffen wollen. Erfolgreiche Führungskräfte spielen die Rolle des Beraters der Mitarbeiter, sie delegieren Aufgaben, geben den Mitarbeitern Verantwortung und Autorität, die anstehenden Aufgaben selbst durchzuführen und dies zu organisieren – während die Führungskraft beaufsichtigt, Feedback diskutiert, belohnt und über zukünftige Trends und Ziele entscheidet.

Anreizsystem

Wenn ein gerechtes System von Anreizen der Organisation angepasst ist, sind die Menschen aufgeschlossen und akzeptieren einander als Gruppenmitglieder, die kooperieren, anstatt miteinander im Wettbewerb zu stehen. Ein solches Anreizsystem kann aus zusätzlichem Einkommen der Mitarbeiter für individuelle Leistung oder die Leistung der Gruppe bestehen und ist somit an das Ergebnis gekoppelt. Anreize können auch aus mündlichem oder schriftlichem Feedback bestehen, das mit dem oder den Mitarbeitern diskutiert werden kann, wobei diese die Möglichkeit haben, die kreativen Ergebnisse zu nutzen und ihre Kreativität weiter zu verbessern. Dieses Feedback scheint meistens wichtiger zu sein als höheres Einkommen, wenn die Kreativität gefördert werden soll. Es kann sehr effizient sein, wenn es zeitnah durch die Führungskraft erfolgt.

Gruppen-Aktivitäten

Kreativität entsteht in solchen Gruppen, in denen Kooperation ohnehin die typische Art ist, wie Projekte gehandhabt werden. Solche Gruppen sind normalerweise klein und deren Mitglieder verfügen über ganz unterschiedliche Kultur, Hintergründe, Erfahrungen und Denkweisen. Manchmal ist es ein weiterer Vorteil, wenn die Gruppe externe Experten hinzuziehen kann, um im Brainstorming neue, reichhaltigere Perspektiven für neue Chancen und Entwicklungen auszuloten.
Kreative Gruppen haben viele Möglichkeiten der Interaktion untereinander, wenn es um das anstehende Problem oder den Status eines Projekts geht. Gleichwohl ist es manchmal hilfreich, wenn die Mitglieder auch über persönliche Dinge sprechen können. Generell sollten die Menschen positive Beziehungen miteinander haben. Informelle Zusammenkünfte und Problemdiskussionen, geleitet von der Führungskraft oder einem anderen Gruppenmitglied haben normalerweise einen guten Effekt. Auf diese Weise werden sie ermutigt, aufgeschlossener zu werden gegenüber anderen Ansätzen als den eigenen, ohne diese sofort zu bewerten. Diese Interaktionen inspirieren sie, neue Wege zu entwickeln, an Dinge heran zu gehen und existierende Wege zu verbessern.4

Physische Bedingungen

In einer kreativen Umgebung ist die vorhandene Wissensbasis für alle verfügbar, was bedeutet, dass die Informationsquellen allen offen stehen (seien es Statistiken, e-Mails, Bücher, Studien, Projektberichte, Kalkulationen etc.). Wir sollten die physische Umgebung so organisieren, dass diese den Informationsfluss nicht behindert, aber das Individuum auch nicht von den eigenen Aktivitäten ablenkt. Natur, große Fenster mit Panoramablick, auf dem Boden sitzen, Räume, die keine Konservativität ausstrahlen, das Ausprobieren neuer Orte der Zusammenkunft, all das erhöht die Kreativität der Gruppe.

Kreativitätsbarrieren des sozialen Umfelds

Eine neue Idee ist erst der Anfang, nicht das Ende des kreativen Prozesses. Eine Idee muss viele Hürden überwinden, bevor sie zu einer Problemlösung wird. Im Folgenden finden Sie eine kurze Beschreibung von vier Arten von Kreativitätsbarrieren:

Tabelle 1. Ideenkiller5

Es ist viel einfacher, eine Idee im Keim zu ersticken anstatt sie zu ermutigen und sie in eine nützliche Problemlösung zu verwandeln. Sie müssen vorsichtig sein, die Ideen anderer Menschen nicht zu unterdrücken, sonst werden sie aufhören, sie Ihnen mitzuteilen und sich Andere wenden. Es ist schwer, sich konstruktiv zu geben, wenn jemand Ihnen eine Idee vorträgt, insbesondere dann, wenn die Idee dumm und undurchführbar scheint. Sie sollten beachten, dass die Menschen in normalen Situationen nicht freiwillig schlechte Ideen vorbringen. Versuchen Sie als erstes zu verstehen, warum man Ihnen die Idee mitteilt. An der Idee ist wahrscheinlich etwas dran, das sehr hilfreich für Sie sein kann. Außerdem haben Sie Gelegenheit, dem Mitarbeiter evtl. zu erklären, warum die Idee nicht funktionieren würde. Doch zuerst müssen Sie wissen, warum der Mitarbeiter glaubt, sie funktioniere.

Schlussfolgerungen

  • Sie müssen aufhören, die Ideen anderer zu kritisieren und sie stattdessen ermutigen mit ihren Ideen zu Ihnen zu kommen.
  • Es ist Ihre Aufgabe, den Menschen zu helfen, ihre Ideen in Realität zu verwandeln, indem Sie sie ermutigen, Empfehlungen geben und hilfreiche Fragen stellen.
  • Stehlen Sie niemals die Ideen Ihrer Mitarbeiter – man wird Ihnen sonst keine mehr mitteilen.
  • Seien Sie mutig und bitten Sie um Ideen, auch wenn Sie selbst schon genaue Vorstellungen haben. Wenn Sie die Ideen nicht verwenden, erklären Sie warum und vergessen Sie nicht, sich trotzdem zu bedanken.
  • Das Einholen anderer Meinungen verschafft Ihnen Respekt und Vertrauen. Außerdem schafft es eine kreative Umgebung.
  • Trachten Sie erst danach, zu verstehen und dann danach, verstanden zu werden.

1 Für weitere Informationen siehe Kapitel 4.6 Internes Verbesserungsvorschlagswesen und 10.2 Unternehmenskultur dieses Leitfadens.
2 Basierend auf John C. Groth und John Peters (1999). What blocks creativity? A managerial perspective. Creativity and Innovation Management 8 (3) und Csikszentmihályi: Creativity
3 Für weitere Informationen, siehe Module10.2 dieses Leitfadens über Unternehmenskultur
4 Zu CoP – Communities of Practise siehe Kapitel 11.2 bis 11.5 dieses Leitfadens
5 Weitere Information darüber, was Sie nicht sagen sollten, wenn Sie eine Idee nicht ersticken wollen, finden Sie unter  www.brainstorming.co.uk/tutorials/helpingideas.html