4.2.6 Brainstorming Variationen

Es gibt etliche Variationen des Brainstormings, die eingehend in Büchern und Websites über Kreativtechniken beschrieben sind: Hier die am häufigsten angewandten Techniken:

  • Nominal Group Technique (Technik mit Karten verschiedener Formen)
  • Group Passing Technique (Brainwriting)
  • Team Idea Mapping (Ideen Mapping im Team)
  • Electronic Brainstorming (Elektronisches Brainstorming)
  • Directed Brainstorming (Gelenktes Brainstorming)

Die Website http://www.wikipedia.com bietet ausführliche Beschreibungen dieser Techniken in englischer Sprache.

Die Nominalgruppen-Technik hält die Teilnehmer dazu an, jedem dasselbe Mitspracherecht zuzugestehen. Die Teilnehmer äußern sich nicht verbal, sondern schreiben ihre Ideen in anonymer Form (Kärtchen) nieder und übergeben sie dem Moderator, der sie der Gruppe vorstellt, die dann jede einzelne Idee bewertet. Das kann durch einfaches Handheben (positive Bewertung) geschehen. 

Anschließend können Untergruppen gebildet werden, die sich mit den verschiedenen Aspekten der gefundenen Ideen befassen. Die am besten bewertete Idee kann erneut von der Gruppe oder den Untergruppen für weiteres Brainstorming aufgegriffen werden. Eine Gruppe kann zum Beispiel über die Farbe eines Produkts nachdenken, eine andere über seine Größe usw. Jede Untergruppe wird dann eine Liste bewerteter Ideen vorlegen. Manchmal werden auf diese Weise Ideen, die eigentlich fallen gelassen worden waren, erneut aufgegriffen, weil eine Neubewertung erfolgt ist.

Beim Brainwriting (Group Passing Technique) schreibt jeder Teilnehmer der um einen runden Tisch sitzenden Gruppe eine Idee auf ein Blatt Papier und gibt es an seinen rechten Nachbarn weiter, der der Idee eigene Gedanken hinzufügt und sie ebenfalls an seinen rechten Nachbarn weiter gibt. Der Vorgang wird so lange wiederholt, bis alle Teilnehmer wieder ihre eigene Idee vor sich haben. Diese Methode kann eine umfassende Ideenliste produzieren; die Gruppe befasst sich anschließend mit jeder einzelnen Idee. Dieses „Brainwriting“ ist in Form der Methode 635 in Modul 4.3 genauer erklärt.

Ein Ideenbuch ist ein weitere verbreitete Form der Brainwriting-Technik. Die Beschreibung des anstehenden Problems wird dabei auf die innere Umschlagseite eines Hardcover-Notizbuches geschrieben. Es wird eine Verteilerliste erstellt, und das Buch wird jedem Teilnehmer nacheinander zugestellt. Jeder schreibt seine Ideen hinein und fügt bereits vorhandenen Ideen neue Gedanken hinzu. Wenn alle auf der Verteilerliste stehenden Personen ihren Beitrag geleistet haben, wird ein „Vortragsmeeting“ abgehalten. Diese Variation des Brainstormings dauert länger als ein einfaches Meeting, kombiniert aber die Vorteile des „Solo-Brainstormings“ mir denen des Brainstormings in der Gruppe, und sie gibt jedem die individuell benötigte Zeit, sich mit dem Problem zu befassen.

Ideen Mapping ist eine Brainstorming Methode ähnlich der oben beschriebenen. Der wesentliche Unterschied ist, das jeder Teilnehmer das Thema bekommt und gebeten wird, vor der eigentlichen Session ein „Solo-Brainstorming“ zu veranstalten. Bei dieser Variante ist wichtig, dass das Thema genau definiert und erläutert wird, so dass jeder Teilnehmer genau weiß, was von ihm erwartet wird. In dem folgenden Meeting werden dann alle Ideen per Mind Map aufgearbeitet. Der Mapping Prozess hilft dabei, ein gemeinsames, einheitliches Verständnis des Themas, der Problematik und der vorgeschlagenen Lösungen zu bekommen. Selbstverständlich können dabei neue Ideen entstehen, die der Mind Map hinzugefügt werden. Wenn alle Ideen katalogisiert sind, werden sie bewertet, dann werden die Prioritäten gesetzt, und es wird entsprechend gehandelt.

Elektronisches Brainstorming ist die computerisierte Form des manuellen Brainwritings und kombiniert die Nominalgruppen-Technik mit dem Ideen Mapping – bis auf einen wesentlichen Unterschied: Die Teilnehmer kommen nicht zusammen. Üblicherweise wird per e-Mail kommuniziert, aber auch Web-Foren oder spezielle Software können eingesetzt werden. Der Moderator schickt die Frage an die Gruppenmitglieder, woraufhin diese dem Moderator unabhängig voneinander ihre Ideen schicken. Daraufhin erstellt der Moderator eine Liste oder eine Mind Map, die wiederum an die Teilnehmer versendet werden, um weiteres Feedback zu bekommen. Das elektronische Brainstorming vermeidet viele der Probleme des Standard Brainstormings, wie eine gewisse Blockade, Ideen frei und ad-hoc zu formulieren und die Furcht vor negativer Bewertung der eigenen Idee durch andere Teilnehmer. Im Übrigen ist es viel einfacher, die gefundenen Ideen zu protokollieren und zu archivieren. Sie können in später folgenden Kreativ-Sitzungen verwendet werden. Das elektronische Brainstorming erlaubt es außerdem auch sehr großen Gruppen, diese Kreativtechnik zu verwenden, weil keinerlei logistischen Probleme der Koordination großer Gruppen auftreten.

Ein Nachteil des elektronischen Brainstormings ist allerdings, dass der Ideenfluss nicht in dem Maß in Gang kommt, wie dies beim persönlichen Gruppenkontakt der Fall wäre. Eine vorgebrachte Idee löst oft eine Idee eines anderen Teilnehmers aus, ähnlich wie ein Witz, der erzählt wird, Sie an einen anderen Witz, den Sie einmal gehört haben, erinnert, der Ihnen aber sonst nie eingefallen wäre und den Sie nun zum Besten geben können. Außerdem gehen der soziale Aspekt und der Teambildungseffekt des Brainstormings in der Gruppe verloren

Gelenktes Brainstorming ist eine Variation des Brainwritings, die manuell oder elektronisch durchgeführt werden kann. Sie unterscheidet sich dadurch, dass die Bewertungskriterien für Ideen vorher bekannt sind und dass der gesamte Ideenfindungsprozess zielgerichteter verläuft. Jeder Teilnehmer soll eine Idee beitragen, entweder auf einem papiernen oder einem elektronischen Formular; die ausgefüllten Formulare werden dann nach dem Zufallsprinzip unter den Teilnehmern verteilt. Jeder wird nun gebeten, eine bessere Idee als die ihm vorliegende Idee zu produzieren, wobei seine Idee auf den bereits bekannten Bewertungskriterien basieren soll. Die Formulare werden nun erneut per Zufallsprinzip verteilt und die Teilnehmer sollen nun die Ihnen vorliegenden Ideen erneut verbessern, diesmal allerdings unter Berücksichtigung von nur einem Kriterium.

Kommen wir auf das Beispiel in Abschnitt 4.2.5 zurück. Ein Teilnehmer hatte in der Brainstorming Session vorgeschlagen, man solle weitere Sportprodukte ins Verkaufssortiment aufnehmen. Hätte die Gruppe das gelenkte Brainstorming verwendet, hätte ein anderer Teilnehmer die Idee unter dem Kriterium „größter potentieller Einfluss“ erweitern, und eine bestimmte Produktlinie vorschlagen können, die von Wettbewerbern im Einzugsgebiet nicht geführt wird. Ein anderer Teilnehmer hätte die Idee mit dem Kriterium „Kosten“ weiter führen, und kostengünstige Weg vorschlagen können,  können, wie die Produktlinie einzuführen sei.


Abbildung 4: Ausweitung von gefundenen Ideen durch gelenktes Brainstorming

Gelenktes Brainstorming führt und konzentriert die Brainstorming Session und kann produktiver sein, als die klassische Brainstorming Methode. Es kann jedoch zu weniger kreativen Ideen führen, da die Teilnehmer sich auf die Bewertungskriterien konzentrieren, anstatt ausgetretene Denkpfade zu verlassen. Es wurden zahllose Varianten des Brainstormings entwickelt, seit Osborn das Konzept in den späten 1930er Jahren erfand. Eine Variation, die in Kapitel  4.3 genauer untersucht wird, ist die Methode 635. Viele andere Kreativtechniken, wie das Attribute Listing, genauer dargelegt in Kapitel 4.5, können das Brainstorming als Teil des Kreativitätsprozesses verwenden.

Warum führen sie keine Brainstorming Sessions bei Ihren Mitarbeiter–Besprechungen durch? Beginnen Sie mit einem einfachen Problem, um die Gruppe für das Konzept zu erwärmen und steigern Sie die Komplexität, wenn die Mitarbeiter sich an die Methode gewöhnt haben. Setzen Sie unterschiedliche Varianten ein, vielleicht können Sie auch ein Incentive System parallel dazu einführen, das neue, innovative Ideen belohnt, die ein bestimmtes Problem zu lösen geholfen oder den Umsatz gesteigert haben.