4.8.5 Beispiel

In Ihrer Firma wird überlegt, ob flexible Arbeitszeitregelungen eingeführt werden sollen. Die Meinungen dazu sind sehr konträr und in zahlreichen Arbeitstreffen konnte bisher keine Einigung erzielt werden. Hier könnten Sie das 6-Hut-Denken anwenden:

Ein Team wird zusammengestellt
Für das nächste Treffen wird ein Team von fünf bis sechs Personen zusammengestellt, dessen Mitglieder aus möglichst unterschiedlichen Bereichen Ihres Unternehmens kommen sollten. Die übergeordnete Fragestellung für das Meeting lautet: "Sollen wir in unserem Unternehmen eine flexible Arbeitszeitregelung einführen?"

Erster Schritt: Alle setzen gemeinsam die verschiedenen Hüte nacheinander auf
Beginnen Sie das Meeting damit, dass alle Beteiligten nacheinander die verschiedenen Hüte aufsetzen und jeder dann laut äußert, was er unter dem jeweiligen Hut zur Fragestellung zu sagen hat. Die Äußerungen werden schriftlich – am besten für alle sichtbar auf Pinnwänden – gesammelt. Im Prozess kann es notwendig sein, die Aufzeichnung der jeweils anderen Hüte zu verdecken, damit diese Aussagen nicht zu sehr beeinflussen.

Äußerungen der sechs verschiedenen Sichtweisen

Äußerungen des weißen Huts – Fakten zum Thema:

  • Bei uns herrscht zurzeit eine Arbeitszeit von 8.00 - 17.00 Uhr, mit einer Mittagspause von 13 -14.00 Uhr.
  • Die Mitarbeiter/innen sind zu 80% pünktlich.
  • 75 % unserer Angestellten haben Kinder zu Hause.
  • usw.

Äußerungen des roten Huts – Emotionen:

  • Zuviel Freiheit der Mitarbeiter/innen finde ich nicht gut, das macht mir Angst.
  • Ich hasse es, früh aufzustehen.
  • Ich würde es Klasse finden, wenn ich mittags nach Hause gehen könnte.
  • Also mich nervt das, wenn ich mir vorstelle, dass hier ein einziges Kommen und Gehen ist.
  • usw.

Äußerungen des schwarzen Huts – objektive negative Aspekte der Idee:

  • Es könnte ein Problem werden, die tatsächliche Arbeitszeit der einzelnen Mitarbeiter/innen zu kontrollieren.
  • Die Mitarbeiter/innen sind möglicherweise genau dann nicht im Haus, wenn man sie gerade braucht.
  • Vielleicht lässt die Arbeitsmoral nach.
  • usw.

Äußerungen des gelben Huts – objektive positive Aspekte der Idee:

  • Die Motivation der einzelnen Mitarbeiter/innen kann sich dadurch erheblich steigern.
  • Die Mitarbeiter/innen leisten möglicherweise viel mehr, wenn Sie die Arbeitszeit mehr nach Ihren Bedürfnissen ausrichten können.
  • Dieses Projekt könnte uns bekannt machen, wenn wir damit an die Presse gehen.
  • usw.

Äußerungen des grünen Huts – neue Ideen:

  • Wir könnten ja einfach mal jeden kommen lassen, wann er will, das probieren wir eine Woche lang und gucken, was passiert.
  • Wir könnten ja eine Kernzeit vereinbaren, in der jeder auf jeden Fall hier zu sein hat.
  • Jede/e muss immer ein Handy bei sich haben, um erreichbar zu sein.
  • usw.

Äußerungen des blauen Huts – Zusammenfassung, Organisation:

  • Wir wissen nun, dass 70% unserer Mitarbeiter/innen eine flexiblere Arbeitszeit begrüßen würden.
  • Das Thema ist zum Teil mit starken Emotionen, wie Ängsten, aber auch Euphorie belastet, die uns nicht weiterführen.
  • Es besteht der Bedarf nach Kontrolle über die tatsächliche Arbeitszeit.
  • Hierzu schlage ich vor, noch einmal die Vor- und Nachteile einer verstärkten Kontrolle zu diskutieren.

Die weitere VorgehensweiseIn einer weiteren Phase können die Hüte dann auch ganz gezielt aufgesetzt werden. Zum Beispiel setzen alle den grünen Hut auf, damit zunächst so viele Ideen wie möglich gesammelt werden. Die Ideen können dann mit dem gelben und schwarzen Hut "geprüft" werden. Der blaue Hut würde dann eingesetzt werden, um aus den Ideen konkrete Ziele und Maßnahmen festzulegen.Jetzt haben Sie einen guten Eindruck davon, wie Sie das 6-Hut-Denken anwenden können, um ein Thema systematisch durchzudenken.1


1 http://www.zeitzuleben.de/artikel/denken/sechs-hut-denken-3.html
   alle Rechte bei Tania Konnerth & Ralf Senftleben GbR