5.3.4 Fallstudie - Das SMARTMAN KMU Projekt

Die Fallstudie1 bezieht sich auf ein europäisches Projekt, das sich mit dem Benchmarking der Maschinenbau-Industrie in verschiedenen Ländern befasste. Die meisten in der EU hergestellten Maschinen eignen sich nicht für die Massenproduktion. Die kleinen und mittelgroßen Maschinenbau-Unternehmen werden durch den zunehmenden weltweiten Wettbewerb gezwungen, ihre Geschäftsprozesse und ihre Kooperationen mit Lieferanten neu zu gestalten.

In dem Projekt wurde eine Strategie entwickelt, die auf mehreren Ebenen neue, pragmatische Methoden und Hilfsmittel erforderlich machte:

  1. Unterstützung bei strategischen Entscheidungen über Eigenfertigung oder Fremdbezug komplexer Teile und Komponenten.
  2. Methoden und Hilfsmittel für Organisation und Lieferantenmanagement.
  3. Adaptation und Integration von operativen Werkzeugen der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) für das operative Management von Produktlogistik und Qualität sowie für den administrativen Informationsaustausch zwischen den Maschinenbauern und ihren Lieferanten.

Das Ziel wurde erreicht durch:

  • Eine eingehende Untersuchung anderer europäischer Unternehmen in Spanien, Österreich, Norwegen und Schweden) und ihrer Prozesse.
  • Die Sammlung von Daten, die zu Verbesserungen bei den Projektpartnern führen können.
  • Das Verständnis entsprechender Best Practice Verfahren in diesem Bereich.

Ermittelte Best Practices:

1. Aufbau von Datenbanken (ICT Tools)

  • Zusammenstellung von Informationen aus den Bereichen Beschaffung, Kosten für Eigenfertigung oder Fremdbezug von Teilen, bevorzugte Lieferanten, Verarbeitungszeiten etc.

2. Eigenfertigungs- oder Fremdbezugsverfahren nach dem Grundprinzip, parallele und gemeinsame Entscheidungen zu treffen.

  • Vertreter der Abteilungen Finanzen, Technologie und Produktion kommen zusammen, um die momentane Situation zu analysieren und gemeinsam Entscheidungen über Eigenfertigung oder Fremdbezug zu treffen. Dieses Verfahren soll helfen, zu adäquaten Entscheidungen mit Zustimmung aller Beteiligten zu kommen, ist aber nicht unbedingt optimal.

3. Innovationsverfahren zur Suche von Lieferanten und zur Erstellung von Fortschrittsberichten

  • Einsatz des existierenden Unternehmensnetzwerks geschäftlicher und persönlicher Verbindungen und Verwendung von Branchenkatalogen, die auf Internetrecherchen nach passenden Lieferanten beruhen

4. Prozesse innerhalb der Kunden-Lieferanten Beziehungen:

  • Rahmenvereinbarungen mit Lieferanten aufgrund langfristiger Verträge
  • Wegfall der Qualitätskontrolle beim Wareneingang
  • Konsequente Einbindung der Lieferanten in die F&E Prozesse neuer Produkte

Die generelle Schlussfolgerung bestand darin, dass Benchmarking-Studien länger dauern, als erwartet und dass Sie zu unerwarteten Herausforderungen führen, die jedoch, wenn diese einmal gemeistert sind, zu vielen verwertbaren Erkenntnissen führen und dabei helfen, ein besseres Verständnis der in dem betreffenden Bereich verwendenden Best Practices zu bekommen.

Bitte schauen Sie sich die Tabelle 1 noch einmal unter diesem Gesichtspunkt an und übertragen Sie diese auf Ihre eigene Arbeitsumgebung. Stellen Sie zu diesem Zweck eine Aktivitätenliste auf:

  • Wo anfangen
  • In welchen Bereichen?
  • Wo gibt es weitere Informationen?
  • Muss ein Team gebildet werden?
  • Was ist bisher in dieser Richtung getan worden?
  • Muss neue Ausrüstung beschafft werden?
  • Liegen bereits Erfahrungen im Unternehmen vor?


1 Andersen B., Fagerhaug T., Randmæl S., Benchmarking Supply Chain Management: Finding Best Practices