2.1.3 Wie werden Innovationsaudits durchgeführt?

Das Innovationsaudit besteht aus den folgenden Schritten:

Schritt1: Unternehmensentscheidung für ein Innovationsaudit

Wie bei allen Aktionen der Geschäftsleitung muss deutlich sein, dass diese geschlossen hinter der Entscheidung für ein Innovationsaudit steht. In kleineren Unternehmen kommt es jedoch durchaus vor, dass nicht alle Führungskräfte die Notwendigkeit eines systematischeren Innovationsmanagements erkennen. In anderen Fällen entsteht die Entscheidung für ein Innovationsaudit im Verlauf einer Unternehmenskrise oder als Ergebnis eines Briefings von Führungskräften oder auch aus einer Brainstorming Session heraus. Auch die Regelungen der EU zum fairen Wettbewerb legen nahe, dass das Thema Innovation in kleinen und mittelgroßen Unternehmen höchste Priorität haben sollte, und es werden viele nützliche Instrumente zur Unterstützung von Innovation in KMU angeboten. Doch ganz gleich woher die Idee zur Durchführung von Innovationsaudits auch stammen mag, die Geschäftsleitung sollte vollständig dahinterstehen und sie durch Zuteilung eines angemessenen Zeitrahmens und Budgets aktiv unterstützen. Die aktive Beteiligung der Geschäftsleitung an einem Innovationsaudit ist ein unternehmenspolitisches Signal und soll das volle Engagement auch aller anderen Beteiligten und damit den Erfolg des Audits sicherstellen.


Schritt 2: Initialphase (Team, passende Strategie, Fragebogen)

Aufbau des Teams
Innovationsaudits sollten nicht als schnelle Lösung eines Problems betrachtet werden.
Es wird dringend geraten, dass das Innovationsaudit-Team auch aus Führungskräften besteht, damit die erforderliche Rundum-Perspektive sichergestellt ist (Innovation ist ganzheitlich und ökologisch). Bei der Auseinandersetzung mit der Dynamik von Innovation in einer realen Unternehmensumgebung muss das Unternehmen als ein einziger lebender Organismus angesehen werden, der von vielen miteinander verbundenen Faktoren beeinflusst wird, ganz ähnlich wie in einem realen Ökosystem. In manchen Fällen jedoch, wenn ein Unternehmen eine komplexe Strategie verfolgt, möglicherweise an mehreren Standorten mit mehreren Unternehmenseinheiten vertreten ist und wenn sehr viele MitarbeiterInnen vorhanden sind, kann es notwendig sein, die Dienste einer erfahrenen, auf Innovation spezialisierten Unternehmensberatung in Anspruch zu nehmen.

Passende Strategie
In diesem Stadium werden Innovationsaudit und Unternehmensstrategie in Einklang gebracht. Eine Revision der Strategiedokumentation ist Voraussetzung dafür, denn ein erfolgreiches Innovationsaudit muss sich an der existierenden Unternehmensstrategie ausrichten und danach trachten, vorhandene strategische Lücken auszufüllen. Deswegen müssen vor der Ausarbeitung des Fragebogens für das Innovationsaudit die Strategiedokumente offen diskutiert werden, es müssen Absprachen mit der Geschäftsleitung erfolgen und die aktuelle Position des Unternehmens innerhalb seiner Branche muss überprüft werden. Insbesondere Fragen wie diese müssen beantwortet werden:
 

Bitte nehmen Sie sich 5 Minuten Zeit und gehen Sie Abschnitt 2.1.1 noch einmal durch (Was ist ein Innovationsaudit?). Sehen Sie sich die Liste der möglichen durch ein Innovationsaudit zu untersuchenden Bereiche an. Wo hat Ihr Unternehmen Schwachstellen? Welche Bereiche sollten eingehend untersucht werden?

Fragebogen
Nun wird der Fragebogen für das Innovationsaudit entsprechend den besonderen Gegebenheiten des Unternehmens entwickelt. Eine empfehlenswerte Vorlage für einen solchen Fragebogen ist von Gerard H. Gaynor entwickelt worden. Bevor Sie daran gehen, den Fragebogen für Ihr Unternehmen anzupassen, schauen Sie sich den Fragebogen in seiner Originalform unter der Quelle1 an. Das Innovationsaudit-Team wird zusätzliche Informationen und weitere Details liefern, die in den Fragebogen eingearbeitet werden müssen. Das Team wird die wichtigsten Bereiche für das Audit auswählen (siehe Liste in Abschnitt 2.1.1) und die Fragen eindeutig formulieren, wobei es die Branchen- und Unternehmensterminologie verwendet. Dann wird es Probe-Erhebungen durchführen, um die Verwendbarkeit des Fragebogens zu überprüfen.2


Schritt 3: Interviews, Datenanalyse und Berichtsphase (Aktionsplan)

Interviews
Die Erhebung wird durchgeführt. Zu diesem Zweck muss das bei der Datensammlung anzuwendende Verfahren gewählt werden. Manche Denkschulen regen an, die TeilnehmerInnen den Fragebogen erst lesen zu lassen und anschließend das Interview durchzuführen, andere schlagen eine Folgediskussion vor, die Unklarheiten ausräumen soll, nachdem der Fragebogen ausgefüllt ist. Das Audit-Team muss also die Interviews planen und vorbereiten, möglichst mit allen MitarbeiterInnen. Auch wenn die Befragung aller MitarbeiterInnen Dauer und Kosten des Audits erhöht, ist sie empfehlenswert, denn Innovation ist das Ergebnis vieler koexistierender Umgebungsfaktoren. Sie entsteht und wird definiert durch menschliches Verhalten am Arbeitsplatz; Deswegen sollte niemand von einer solchen Befragung ausgenommen werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass derartige Interviews länger dauern, als andere Umfragen, und sie sollten deshalb in einer Art und Weise und in einem Umfeld durchgeführt werden, die es den Befragten möglichst leicht machen, ehrlich auf die Fragen zu antworten.3

Datenanalyse
Es folgen Analyse und Bewertung. Dieser Schritt erfordert statistisches Grundwissen oder besser noch eine einfache Tabelle, mit der sich die Tendenzen (positiv oder negativ) einiger wichtiger Innovationsfaktoren erkennen lassen. In einigen Fällen können kompliziertere statistische Verfahren erforderlich sein. Sie richten sich nach dem Datenformat, in dem die Antworten auf die Fragen vorliegen. In den meisten Fällen jedoch werden einfachste Verfahren, wie der durchschnittliche prozentuale Wert einer Antwort, bereits klare Hinweise auf mögliche Innovationsprobleme geben, wie das folgende Beispiel zeigt.

Nehmen wir eine der Fragen aus der empfohlenen Fragebogenvorlage, in diesem Fall zum Thema „Vorhandene Unternehmenskultur“:
Kennen die MitarbeiterInnen die Gründe, den Sinn für die Existenz des Unternehmens?
JA / NEIN

Falls die große Mehrheit der befragten MitarbeiterInnen (angenommen 80%) auf diese Frage mit „Nein“ antwortet, dann dürfte klar sein, dass Mission und Strategie des Unternehmens den MitarbeiterInnen nicht gut genug übermittelt wurden. Die Geschäftsleitung und das Innovationsaudit-Team haben nun einen klaren Hinweis auf einen Bereich, in dem künftig Veränderungen vorgenommen werden sollten. Wie kann eine Geschäftsleitung erwarten, Beschäftigte motivieren zu können, wenn 80% dieser MitarbeiterInnen nicht einmal eine klare Vorstellung davon haben, worin der ureigentliche Existenzzweck ihres Unternehmens besteht? Wie kann sie engagierte MitarbeiterInnen erwarten, die sich auf das Richtige konzentrieren, wenn Beschäftigte und Geschäftsleitung „nicht in einem Boot“ sitzen?

Berichtsphase
Es folgt die Präsentation der Ergebnisse und deren erste, vorläufige Diskussion. Die ersten Ergebnisse eines Innovationsaudits sollten der Geschäftsleitung präsentiert und mit ihr diskutiert werden, bevor ein Aktionsplan ausgearbeitet wird. Sehr wahrscheinlich hat man in der Geschäftsleitung eine tiefere Einsicht in bestimmte Ergebnisse, woraufhin das Audit-Team veranlasst werden kann, manche der ersten Ergebnisse zu präzisieren.4
Üblicherweise werden Innovationsaudits durchgeführt, um Lücken oder Defizite zu identifizieren, wobei anschließend die Defizit-Analyse dazu dient, die Leistungsverbesserung voran zu treiben. Es ist sehr wichtig, dass das Innovationsaudit zu konkreten Schlussfolgerungen über das Innovationsmanagement des Unternehmens kommt, vielleicht auch zu Schlussfolgerungen über verschiedene Innovationsprobleme. Am Ende steht ein Aktionsplan mit genauen Vorgaben zu den gefundenen Erfordernissen, seien es Unternehmenskultur, Informationsquellen, Kreativitätstechniken, Projektorganisation, Ressourcen, Zeitmanagement etc.5 Ein solches Audit braucht in etwa 4 Wochen von seiner Anfangsplanung über das Design des Instrumentariums bis zu seinem Abschluss und dem Eingang der Rohdaten6.

Nun ist es an Ihnen. Nach dem Durcharbeiten dieses Moduls sind Sie bestens darauf vorbereitet, ein Innovationsaudit durchzuführen. Folgen Sie der Fragebogenvorlage unter Quelle1 und nehmen Sie sich Zeit für die Antworten. War es schwer, den Fragebogen allein zu bearbeiten oder passen manche Fragen nicht zu Ihrem Unternehmen? Passen Sie in diesem Fall den Fragebogen mit der Hilfe von KollegInnen oder MitarbeiterInnen aus anderen Unternehmensbereichen an. Wenn alle Beschäftigte die Fragen ehrlich beantworteten, könnten viele versteckte Bereiche und problematische Situationen, die Innovation in Ihrem Unternehmen behindern, gefunden werden. Das hilft Ihnen, die Innovationsfähigkeit Ihres Unternehmens zu verbessern - meinen Sie nicht?

Mögliche Hindernisse

Die größten Stolpersteine liegen nicht bei den Umweltbedingungen oder ähnlichen Faktoren. Die größten Hindernisse liegen innerhalb des Unternehmens, wobei die MitarbeiterInnen regelmäßig ganz oben auf der Liste stehen.7  

  • Widerstand gegen Veränderungen, fehlende Motivation, eingeschränkte Ressourcen und Unternehmensstrukturen sind die größten Hindernisse für unternehmerisches Handeln8
  • Allein schon das Beantworten von Fragen oder das Darlegen der eigenen Meinung anlässlich eines Audits macht viele MitarbeiterInnen nervös und verängstigt einige geradezu, besonders die, die sich mit dem Status Quo arrangiert haben. Daher muss Vertraulichkeit garantiert werden können, vielleicht sollten aus diesem Grund sogar unabhängige, außenstehende Personen die Befragungen durchführen9
  • Mitglieder eines Innovationsaudit-Teams müssen überzeugen und persönlichen Einfluss ausüben können, darum brauchen Sie ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten, und sie müssen schnell eine Vertrauensbeziehung aufbauen können. Das Innovationsaudit-Team muss außerdem in hohem Maße unabhängig arbeiten können, damit bestimmte Situationen und Probleme direkt bei deren Auftreten gehandhabt und gelöst werden können10
  • MitarbeiterInnen nutzen ein Audit oftmals als Gelegenheit, negative Gefühle gegenüber der Organisation oder anderen Individuen zu artikulieren. Aus solchen Informationen lässt sich Vieles herleiten, daher müssen die Interessen jedes einzelnen Mitarbeiters/Mitarbeiterin gewahrt bleiben. Es kommt darauf an, das real vorhandene Betriebsklima einzufangen
  • Manche Führungskräfte werden behaupten, die Organisation sei sehr innovativ, jedenfalls so lange, bis sie gebeten werden, die Innovationen zu benennen
  • Viele Führungskräfte wissen nicht genau, was alles zu einem Innovationsprozess gehört
  • Den Organisationen fehlen Informationen über ihre Ressourcen, insbesondere haben sie oftmals keine ausreichenden Informationen über die einsetzbaren Kompetenzen der eigenen MitarbeiterInnen
  • Führungskräften fehlen grundlegende Kenntnisse des Projektmanagements. Sie kennen all die Hilfsmittel, aber sind nicht in der Lage effektive Vorarbeit zu leisten.

Können Sie sich vorstellen, dass solche Hürden auch in Ihrer Organisation auftauchen? Welche Hindernisse oder andere Faktoren, die oben nicht genannt sind, würden wahrscheinlich bei einem Innovationsaudit auftreten?


1 Innovation by Design: What it Takes to Keep Your Company on the Cutting Edge By Gerard H. Gaynor, Published by AMACOM Div American Mgmt Assn, 2002
2 www.trainmor-knowmore.eu/26260557.en.aspx
3 ebd
4 ebd
5 www.innovationfactory.nl/innovation-culture/innovation-audit.html
6 www.innovaro.com/inno_updates/Innovation%20Briefing%2007-07.pdf
7 www.alliedacademies.org/Publications/Papers/
8 www.innovaro.com/inno_updates/Innovation%20Briefing%2007-07.pdf
9 www.trainmor-knowmore.eu/6F47C5E9.en.aspx
10 ebd