6.1.5 Fallstudie

ENERGEX, ein australisches Energieunternehmen, liefert seinen über 1 Million privaten und gewerblichen Kunden Strom, Erdgas und Flüssiggas. In einem Markt, der erhebliche strukturelle Veränderungen durchläuft, entwickelt ENERGEX neue Energieangebote und positioniert sich dabei als Anbieter eines innovativen Energiemix aus fossilen Brennstoffen. Diese Strategie zwingt das Unternehmen zu einer starken Konzentration auf seine Produktentwicklungsfähigkeiten.
“Typisch für die neuen, einen hohen Mehrwert bietenden Produkte des Unternehmens ist unser Energie-Monitoring-Programm EMP“. Sagt Roman Meister, Marketingdirektor bei ENERGEX. Das EMP Paket besteht aus einer Hardwareeinheit mit einer Software, die es gestatten, den Energie-Input, alle Energieverbraucher und die durch sie verursachten Kosten zu überwachen. Man erhält Informationen über den Energieverbrauch, die Energiequalität, zur Energierechnung und deren Überprüfung sowie über die Treibhausgas-Emissionen. Sie können heute auf riesige Datenmengen zugreifen, aber den Unternehmen fehlen immer noch qualitative Informationen über einen der kritischsten Kostenfaktoren: das Energieverbrauchsniveau. Mit EMP ändert sich das.“
ENERGEX antwortete auf die Herausforderungen der Deregulierung durch die Gründung von ENERGEX Retail, einem beweglichen, marktorientierten Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und die Vermarktung energiebasierter Produkte für gewerbliche und private Kunden konzentriert. Es konnte viele der besten Fachkräfte auf diesem Gebiet rekrutieren und konnte daher schnell reagieren, um die sich ändernden Bedürfnisse des sich entwickelnden Energiemarktes zu befriedigen.

Die Herausforderung

Das Entwicklungsteam brauchte einen Produktentwicklungsprozess mit dem kritische Risiken gemanagt werden konnten, ohne die Entwicklung zu verzögern. Ein Unternehmensberater, den ENERGEX hinzugezogen hatte, berichtet: „Anfangs waren wir erstaunt über das Ansinnen von ENERGEX – Energielieferung gehört absolut nicht zu den Geschäftsfeldern unserer normalen, Güter produzierenden Kunden.“
Nach ersten Gesprächen wurde die Produktentwicklungsumgebung bei ENERGEX untersucht. Dies umfasste strukturierte Interviews mit den „Betreibern“ und den „Kunden“ der Produktentwicklung. Eine Überprüfung der existierenden Umgebung ist grundsätzlich erforderlich als Ausgangspunkt für jeden Produktentwicklungsprozess. Dabei können Probleme erkannt werden und die existierenden Prozesselemente können bewertet und mit den Organisationszielen verglichen werden.
Der Unternehmensberater sah die Ergebnisse der Untersuchung bei ENERGEX Retail positiv. „Wir fanden dynamische Teams, begeistert von ihrer Arbeit, ihrem Unternehmen und der Herausforderung, sich in einer schnell verändernden Branche bewähren zu müssen. Außerdem fanden wir Produktentwicklungsprozesse, die viel gemeinsam hatten mit denen unserer traditionellen Kunden. Der existierende Prozess war sehr gründlich und vollständig, doch es gab zwei Merkmale, die hervortraten. Erstens passte er nicht zu der schwungvollen, lebhaften Kultur von ENERGEX, und zweitens gab es ineffiziente Mechanismen bei der Projektauswahl und der Prioritätensetzung sowie bei der Zuweisung wertvoller Ressourcen.“
Darüber hinaus waren die Produktmanager und der Leiter der Produktentwicklung unzufrieden mit der Qualität der Vorarbeit für die Produktentwicklung. Sie wollten Verbesserungen in der Qualität der Produkt-Definition und –Spezifikation, bevor sie mit der Entwicklung neuer Produkte beauftragt würden.1


1 InnoSupport: Supporting Innovations in SME. 6.1 New product development methods, 2005