11.2.1 Was ist ein Cluster?

Begriff Cluster zu definieren, ist nicht ganz einfach. Er wird für unterschiedliche Strukturen verwendet, zum Beispiel gibt es nationale Cluster, regionale Cluster, grenzüberschreitende Cluster, Kompetenz-Cluster, Cluster industrieller Systeme oder Cluster von Produktionssystemen und nicht zuletzt Innovationssystem-Cluster. Auch die Gründe der Clusterbildung sind sehr verschieden: zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von KMUs, zur Unterstützung gemeinsamer Forschung, zur Veränderung einer ganzen Industrie, zur Implementierung vom Umweltmanagementsystemen u.a. Gemeinsam sind fast allen die große Nähe zueinander, die Vernetzung und die Spezialisierungi

Die wohl meist benutzte Definition eines Clusters ist die von Michael Porter1: Cluster sind geographisch nahe beieinander liegende Gruppen miteinander vernetzter Unternehmen und assoziierter Institutionen eines speziellen Arbeitsgebiets, verbunden durch gemeinsame Technologien und Fähigkeiten. Üblicherweise existieren sie innerhalb eines geographischen Gebiets, in dem Kommunikation und Logistik sowie persönliche Interaktion möglich sind. Cluster konzentrieren sich normalerweise in Regionen und manchmal in einer einzigen Stadt.2

Manche Experten für Cluster und Netzwerke erweitern die Definition:
Cluster sind Gruppen einzelner Unternehmen und verbundener Institutionen, die:3

  • zusammen arbeiten und/oder konkurrieren,
  • sich geographisch in einer oder mehreren Regionen befinden, selbst wenn der Cluster eine Landesgrenze überschreitet,
  • sich auf ein bestimmtes, durch gemeinsame Technologien und Fähigkeiten verbundenes Spezialgebiet konzentrieren.
  • Cluster können institutionalisiert  – sie haben einen eigenen Clustermanager -  oder nicht institutionalisiert sein.

Stadien in der Evolution von Clustern

Bei der Entstehung und der Entwicklung von Clustern treten folgende Stadien ein:(siehe auch Abbildung 1)

  1. Precluster.
    Die Entstehung eines Clusters kann oft mit historischen Situationen verbunden sein, zum Beispiel:
    • die Verfügbarkeit von Rohstoffen,
    • Spezifische Kenntnisse der F&E oder traditionelles
      Know-how,
    • spezifische Bedürfnisse eine Gruppe von (geographisch konzentrierten) Kunden oder Unternehmen,
    • Standort von Unternehmen oder Unternehmern, die neue technologische Innovationen schaffen, was viele andere zur Expansion motiviert.

Das erste Stadium eines Clusters umfasst oftmals die Kooperation zwischen Subunternehmern oder eine geographische Konzentration von Unternehmen in demselben Stadium der Produktion.

  1. Entstehender Cluster.
    Wenn eine Konzentration von Unternehmen stattgefunden hat, beginnt eine Kettenreaktion, in der weitere externe Branchen am Standort entstehen. Zu den ersten gehören oft spezialisierte Zulieferer und Dienstleister, die durch Outsourcing aus den etablierten Unternehmen entstehen und wodurch zusätzlich ein qualifizierter Arbeitsmarkt entsteht. Hauptziel der neu hinzu gekommenen Organisationen (Wissensorganisationen, Unternehmervereinigungen etc.) ist es, die Unternehmen des wachsenden Clusters zu unterstützen. 
      
  2. Expandierender Cluster.
    Das Wachstum der externen Ökonomien und das Auftauchen neuer, lokaler Organisationen erhöhen die Erkennbarkeit, die Reputation und die Attraktivität eines Clusters. Das kann zu mehr Unternehmensansiedlungen und mehr qualifiziertem Personal führen, wodurch die Attraktivität wiederum erhöht wird und unter Umständen die Grundlage für die weitere Entwicklung lokaler Unternehmen geschaffen wird.
     
  3. Transformierender Cluster.
    Obwohl ein Cluster seinen Erfolg über Jahrzehnte hinweg immer neu erfinden oder Teil eines neuen Clusters werden kann, treten viele regionale Cluster früher oder später in ein Verfallsstadium ein. Clusterverfall wird oft als Konsequenz technologischen, institutionellen und/oder kulturellen Abgrenzungsverhaltens gewertet. An diese Situation müssen sich Cluster anpassen.

Die folgende Abbildung zeigt die Stadien der Cluster-Evulotion:


Abb. 1:  Stadien der Cluster-Evolution5


Dieses Kapitel basiert auf „Design of Cluster Initiatives“ http://www.innovating-regions.org/download/
1 Michael Porter is recognised as the father of the modern strategy field. He is a leading authority on competitive strategy, the competitiveness and economic development of nations, states and regions.
2 http://ec.europa.eu/enterprise/entrepreneurship/
   support_measures/cluster/final_report_clusters_en.pdf
3 ebd
4 Information about the stages in the evolution of clusters has been adapted from http://ec.europa.eu/regional_policy/innovation/pdf/library/
regional_clusters.pdf

5 Based on the presentation „Introduction to clusters“ by The Competitiveness Institute, Ottawa, 28th September 2004