11.2.2 Warum sind Cluster wichtig?

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Bildung von Clustern als neues ökonomisches Entwicklungskonzept erwiesen. Viele Länder und Regionen sind von Clustertheorien angeregt worden und verwenden deren Elemente zur regionalen Wirtschaftsförderung. 1
Auch wenn die Bildung von Clustern als ökonomische Entwicklungsstrategie noch immer ein recht neues Phänomen ist, gibt es bereits europäische Erfolgsstorys über Cluster, die die bedeutenden Effekte zeigen, die sich einstellen, wenn Clusterkonzepte richtig implementiert werden. Insbesondere werden viele norditalienische Industrien als Modelle für Cluster betrachtet. Dazu gehören die Schuhindustrie im Raum Veneto und die Keramikindustrie in der Emilia-Romagna. Eine zweite Cluster-Hochburg ist Österreich. In der Steiermark und in Oberösterreich beruht die regionale wirtschaftliche Entwicklung vollständig auf Clustern. Besonders starke Cluster in beiden Regionen ist der Automobilsektor.2  In diesem Modul werden wir später das Beispiel der Textil- und Bekleidungsindustrie in Katalonien, Spanien, als Fallstudie betrachten.
Die Erfolgsstory zeigt, dass Cluster durch die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit einzelner Unternehmen makroökonomische Vorteile bieten

  • Sie steigern die Attraktivität der Region - Cluster stimulieren die Kompetenz-Entwicklung in der Region, und sie verhindern Migration. Dies wiederum hat einen positiven Effekt auf Investitionen in der Region, da er den Arbeitsmarkt belebt und andere Unternehmen anregt, sich in der Region anzusiedeln.
  • Sie steigern das Angebot bedarfsorientierter unterstützender Dienstleitungen für Unternehmen Cluster funktionieren sehr gut in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Innovationstransfer und sie kooperieren infolgedessen gut mit Forschungsinstituten und Universitäten. So tragen sie zur Weiterentwicklung der regionalen Kompetenz und der Forschungsinfrastruktur bei.
  • Sie sichern Arbeitsplätze und fördern Unternehmertum – das produzierende Gewerbe in Europa generiert einen Großteil der Arbeitsplätze und des BSPs, wobei sehr viel davon von KMUs beigesteuert wird, die die Großindustrie belieferns.3

Cluster werden generell von lokalen Unternehmen gebildet, die einen Synergievorteil aus mehreren in der Region gegebenen Faktoren ziehen wollen: aus der Existenz von Kunden und Lieferanten, dem Zugriff auf einen qualifizierten Arbeitsmarkt und das entsprechende Know-how, der Verfügbarkeit spezifischer Rohstoffe, aus der vorhandenen Infrastruktur, geringen Transaktions- und Kommunikationskosten, aus der Nähe zu Universitäten, Schulungszentren und Forschungsinstituten und nicht zuletzt aus der Anwesenheit von Finanzinstitutionen und anderer privater und öffentlicher Organisationen. 4
Die physische Dichte dieser oben genannten Faktoren ermutigt die Bildung formaler und informeller Beziehungen zu Unternehmen, Ausbildungs- und Forschungsinstitutionen, Finanzorganisationen, zur öffentlichen Verwaltung und anderen lokalen Organisationen, so dass Informationen leicht fließen und verbreitet werden können. 5
Kontakte zur öffentlichen Verwaltung können einfacher aufrechterhalten werden, was dieser wiederum ermöglicht, die Infrastruktur des Clusters den Unternehmens und/oder Marktanforderungen anzupassen. All dies trägt zu besseren Innovationsprozessen bei.
Um in diesen von Wettbewerbsdruck geprägten Umgebungen zu überleben, ist es für die Cluster-Unternehmen unerlässlich, innovative Strategien zu entwickeln und die nötigen Kapazitäten aufzubauen, Innovationen zu implementieren. Innovation ist nicht etwas, dass den Universitäten oder Forschungszentren vorbehalten wäre, sondern viel häufiger das Ergebnis einer Reihe von Unternehmensinitiativen und von Experimenten.

In einem Cluster lernen Unternehmen voneinander und imitieren einander, ob sie dies wollen, oder nicht.

Auf einer höheren Ebene haben Cluster ihre Attraktivität für die Regionen bewiesen, in denen sie beheimatet sind. Sie tragen zu deren wirtschaftlichem Wachstum und sozialem Gleichgewicht bei. Nach Porter hängt Wohlstand von der Produktivität ab, mit der eine Region ihre Ressourcen – menschliche Arbeitskraft, natürliche Ressourcen, Infrastruktur etc. – verteilt, um Güter und Dienstleistungen produzieren zu lassen und die Produktivität durch Innovation noch steigert.
Cluster können die perfekte Umgebung sein, um Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität zu steigern, indem Unternehmen Vorteile aus:

  • spezialisierten Lieferanten,
  • lokalem Know-how,
  • Information,
  • Fähigkeiten und
  • Ausbildung ziehen

Die Nähe zu Kunden, Wettbewerbern, Lieferanten, Universitäten und Forschungsinstituten liefert den Anstoß zur Schaffung von Informationen und deren Austausch und sie verbessert die Gelegenheiten für Innovation. Innovationen wiederum fördern Wachstum, eine hohe Beschäftigungsrate und die Attraktivität der Region.6

Bitte halten Sie einen Moment inne und denken Sie nach:
Nachdem Sie dieses Kapitel nun fast vollständig durchgearbeitet haben, in welchen Bereichen können Cluster Ihrer Meinung nach einen positiven Effekt haben? Wie ist die Situation in Ihrer Region? Gibt es welche?


1 www.innovating-regions.org
2 ebd
3 ebd
4 http://ec.europa.eu/
5 ebd
6 www.innovating-regions.org/