11.2.4 Fallstudie

Der Textil und Bekleidungsindustrie Cluster in Katalonien (Spanien)1

Die katalonische Textilindustrie geht zurück auf die Zeit um 1830, als der Dampfantrieb die Industrie revolutionierte. Der Textilsektor, einst die Grundlage der regionalen Wirtschaft, musste teilweise moderneren Industrien weichen, ist aber nach wie vor signifikant. Er umfasst 7% des industriellen Outputs Kataloniens und 38% von Spaniens gesamter Industrieproduktion; er beschäftigt etwa 94.400 Mitarbeiter in der Region, was 2,8% aller Arbeitnehmer Spaniens sind.
Der Cluster umfasst einen weiten industriellen Bereich, unter anderem: Lieferanten chemischer Produkte, Hersteller von Textilfabrikationsmaschinen, Hersteller von Feingewebe, Faserlieferanten, Spinnereien und Webereien, Färbereien, andere Lieferanten und Bekleidungshersteller.
Sie alle klassifizieren sich nach den verwendeten Rohmaterialien und nach der Technologie, die sie verwenden: Baumwolle, gestrickte Gewebe, Farbstoffe, Wolle, Seide etc. In den frühen neunziger Jahren war die Textil- und Bekleidungsindustrie wie viele andere auch stark betroffen vom Phänomen der Globalisierung. Der katalanische Textilcluster sah sich einem starken Konkurrenzdruck aus Entwicklungsländern ausgesetzt, deren Textil- und Bekleidungsindustrien extrem wettbewerbsfähig geworden waren, weil sie geringe Lohnkosten mit hoch qualitativen Maschinen und Know-how aus Industrieländern kombinierten.2 

Der Cluster besteht aus 2.600 Unternehmen, die meisten von ihnen KMU, von denen 85% in 8 Verwaltungsbezirken konzentriert sind, von denen jeder auf bestimmte Prozesse spezialisiert ist. Sie sind umgeben von zahlreichen Unternehmen, die als Kunden, Lieferanten, Subunternehmer und Dienstleister auftreten, z. B. als Logistik-Dienstleister, Marketing-Agenturen, Spezialdruckereien etc. Der Cluster umfasst größere Unternehmen, die Produktion und Distribution integrieren. Tatsächlich ist der Erfolg des Clusters stark abhängig von der Integration der Distribution in die Produktionssysteme.
Der katalanische Testilcluster ist charakterisiert durch verschiedene lokale Herstellerverbände und Berufsverbände aus verschiedenen Verwaltungsbezirken, von denen jeder seine lokale Industrie fördert, als Lobbyplattform fungiert und Partnerschaften zwischen Unternehmen arrangiert. Eine konzertierte Maßnahme des Clusters wird finanziert durch Beiträge von öffentlicher und privater Hand.
Folgende Maßnahmen wurden getroffen:

  • Integration von Produktion und Distribution durch Gründung einer eigenen Ladenkette,
  • Die Gründung eines Zentrums für Textilinnovation, das den Textilunternehmen permanente Unterstützung bei Innovationen bietet,
  • Verstärkung der informellen Kooperation mit den traditionellen nationalen, regionalen und lokalen Verbänden,
  • Förderung bedarfsorientierter Innovationsprojekte durch Verlinkung von Lieferanten mit innovativen Kunden,
  • Förderung von Innovation und Produktdesign durch Schulungen in der Personalentwicklung,
  • Schaffung eines Business-to-Business Marktes,
  • Implementierung der ISO 9001, um die Qualität der Produkte des Clusters zertifizieren lassen zu können,
  • Bekanntmachung verschiedener Finanzierungsinstrumente zur Akquisition technologischen Equipments und Erleichterung des Beschaffungsprozesses.


www.clusterobservatory.eu/upload/Europe_Innova_Cluster_Mapping-Case_Textile_Catalonia.pdf
2 Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.cetemsa.es und www.cidem.com