11.3.1 Was sind Communities of Practice?

Das Konzept der Community of Practice (CoP) bezieht sich auf den Prozess des sozialen Lernens, der entsteht, wenn Menschen, die ein gemeinsames Interesse an einem Thema oder Problem haben, über eine geraume Zeit hinweg zusammen arbeiten, um Ideen zu teilen, Lösungen zu finden und Innovationen zu schaffen. Es bezieht sich auf die dauerhafte, stabile Gruppe, die erst durch regelmäßige Interaktionen entsteht.1

Eine CoP ist eine Gruppe von Menschen, die eine Angelegenheit, die sie gemeinsam betrifft, leidenschaftlich verfolgt und dabei durch regelmäßige Interaktionen lernt, wie man diese Angelegenheit noch besser verfolgen kann.2

Communities of Practice teilen „weiches“ und „hartes“ Wissen, erwerben neues Wissen, stimulieren Innovation etc. Kurz: Eine Community of Practice erzeugt eine Umgebung, in der nachhaltiges Wissen durch Interaktion mit anderen erzeugt und weiter entwickelt wird.3

Nun kann aber nicht jede Gemeinschaft als Community of Practice bezeichnet werden. Drei Eigenschaften sind für eine Community of Practice zwingend erforderlich.

  1. Der Funktionsbereich:
    Eine Community of Practice ist nicht lediglich ein Club von Freunden oder ein Netzwerk zwischen Menschen. Sie hat eine eigene Identität, die sich über einen gemeinsamen Funktionsbereich definiert. Die Mitgliedschaft in einer CoP erfordert demgemäß eine auf den Funktionsbereich bezogene Verpflichtung und insofern eine gemeinsame Kompetenz, die die Mitglieder von anderen Menschen unterscheidet. Der Funktionsbereich ist nicht notwendigerweise etwas, das außerhalb der Community als besondere Sachkenntnis angesehen würde. Eine Straßenbande von Jugendlichen kann alle möglichen Art und Weisen entwickelt haben, wie sie mit ihrem Funktionsbereich umgeht: das Überleben auf der Straße und die Aufrechterhaltung einer Art Identität, mit der die Mitglieder leben können. Sie erachten ihre kollektive Kompetenz als wertvoll und sie lernen voneinander, auch wenn wohl nur wenige Menschen außerhalb der Gruppe diese Art Sachkenntnis anerkennen werden.4
     
  2. Die Gemeinschaft:
    Bei der Verfolgung ihrer Interessen in ihrem Funktionsbereich engagieren sich die Mitglieder in gemeinsamen Aktivitäten und Diskussionen, sie helfen einander und teilen Informationen. Sie unterhalten Beziehungen, die es ihnen ermöglichen, voneinander zu lernen. Eine Website ist für sich genommen keine Communities Of Practice. Denselben Job oder denselben Titel zu haben, ergibt noch keine CoP, es sei denn, die Mitglieder interagieren und lernen zusammen.
    Die Anforderungen an die Sachbearbeiter in einer großen Versicherungsgesellschaft und an Schüler amerikanischer Highschools mögen sehr viel gemeinsam haben, doch wenn beide nicht interagieren und gemeinsam dazulernen, bilden sie keine CoP. Angehörige einer CoP arbeiten nicht notwendigerweise täglich zusammen. Zum Beispiel trafen sich die Impressionisten in Cafes und Ateliers, um den Malstil zu diskutieren, den sie gerade dabei waren zu erfinden. Diese Interaktionen waren wesentlich, um eine Community of Practice entstehen zu lassen, auch wenn sie oft allein malten.5
     
  3. Die Praxis:
    A community of practice is not merely a community of people who like Eine  Community of Practice ist nicht lediglich eine Gemeinschaft von Menschen, die zum Beispiel dieselbe Art Filme mögen. Angehörige einer CoP leisten konkrete, praktische Arbeit. Sie entwickeln einen gemeinsamen Pool von Ressourcen. Erfahrungen, Berichte, Hilfsmittel und Wege, mit regelmäßig wiederkehrenden Problemen umzugehen – kurz, eine gemeinsame Praxis. Das braucht Zeit und nachhaltige Interaktion. Ein gutes Gespräch mit einem Fremden im Flugzeug kann Ihnen alle möglichen  interessanten Einsichten verschaffen, konstituiert aber keine Community of Practice. Die Entwicklung einer gemeinsamen Praxis macht eine CoP mehr oder weniger aus.6 

Die Ingenieure eines Autoherstellers, die sich mit Scheibenwischern befassen, sammeln und dokumentieren ihre Tricks und Erfahrungen vielleicht in einer Wissensdatenbank. Im Gegensatz dazu sind sich Krankenschwestern, die regelmäßig in der Kantine zusammen zu Mittag essen, vielleicht gar nicht bewusst, dass die dabei entstehenden Gespräche zu den hauptsächlichen Quellen ihres Wissens darüber gehören, wie die Patienten am besten zu behandeln sind. Gleichwohl haben sie im Verlauf ihrer zahllosen Gespräche einen Fundus an Berichten und Fällen aufgebaut, aus dem sie sich in ihrer Praxis gemeinsam bedienen7.


1 http://en.wikipedia.org/wiki/Community_of_practic   
2 http://www.ewenger.com/theory/  
3 Koubek, A., Laister, J. (2001) “3rd Generation Learning Platforms.
   Requirements and Motivation for Collaborative Learning.”  
4 http://www.ewenger.com/theory/  
5 ebd  
6 ebd
7 ebd