11.4.1 Was heißt Soziale Netzwerkanalyse?

Die Theorie der Soziale Netzwerkanalyse benutzt eine Sichtweise, bei der nicht die Attribute der Individuen im Vordergrund stehen, sondern die Attribute der Beziehungen zu anderen Individuen. SNA bedeutet gewissermaßen Kartographierung und Messung von Beziehungen und Informationsflüssen zwischen Menschen, Gruppen, Computern, Webseiten und anderen Wissen verarbeitenden Prozessen.

SNA berücksichtigt darüber hinaus, dass Wissen - insbesondere seine wichtigste Erscheinungsform, das stille oder implizite Wissen1 - im Wesentlichen durch soziale Interaktionen wie Meetings, Konversationen etc. entsteht. Die Methoden und Verfahren der SNA analysieren und beschreiben bestimmte Muster sozialen Verhaltens, die eng mit dem Management von implizitem Wissen verbunden sind.2

Die Knoten des Netzwerks sind die Menschen und Gruppen (Akteure) während die Verbindungen die Beziehungen zwischen den Knoten (Bindungen) anzeigen. Die SNA liefert sowohl eine visuelle als auch eine mathematische Darstellung der Analyse menschlicher Beziehungen.3 Sie basiert auf der Annahme eines Wertes für die Beziehungen zwischen interagierenden Einheiten.4 Dieser Ansatz hat sich für die Erklärung vieler Phänomene der realen Welt als nützlich erwiesen.

Der Blick auf gegenseitige Abhängigkeiten ermöglicht der SNA, sich mit folgenden Fragen zu befassen – und sie zu beantworten:

  • Kommuniziert der Vertrieb effektiv mit dem Marketing und wird das Wissen über den Kunden geteilt und koordiniert?
  • Wenn zwei Unternehmen oder Organisationen fusionieren, wie kann das Management sich das informelle Netzwerk zunutze machen, um Informationen schnell zu verbreiten?
  • Gibt es in Forschungs- und Entwicklungsgruppen genug Menschen, die Ideen von außen herein bringen und werden diese Ideen verfolgt?5

Mit zunehmendem Interesse an der SNA und deren zunehmenden Einsatz hat sich mittlerweile ein Konsens über die Prinzipien heraus gebildet, die ihr zugrunde gelegt werden. Über die relationalen Konzepte hinaus wird folgendes als wichtig erachtet:

  • Akteure und deren Aktionen werden nicht als unabhängig, sondern als voneinander abhängig betrachtet.
  • Beziehungsbindungen (Verlinkungen) zwischen den Akteuren sind Kanäle zum Transfer oder „Fluss“ von Ressourcen materieller oder immaterieller Art.
  • Netzwerkmodelle, die sich auf die Individuen konzentrieren, sehen die Netzwerkstruktur als fördernd oder hemmend für individuelle Aktionen an.
  • Netzwerkmodelle entwerfen Strukturen sozialer, ökonomischer, politischer Natur etc. als dauerhafte Beziehungsmuster unter den Akteuren.6

Ziel dieses Textes ist zum einen die Erklärung der wesentlichen Konzepte und des zu erwartenden Nutzens des Einsatzes von SNA Methoden innerhalb von Organisationen, zum anderen deren praktische Anwendung auf Unternehmensprobleme.  


1 Implizites Wissen: Nicht formalisiertes Wissen, also solche Kenntnisse oder Fähigkeiten, die nicht explizit formuliert sind und sich möglicherweise auch nicht erklären, sondern nur zeigen lassen. Der Betreffende kann praktisch zeigen, was er weiß, das solcherart Gekonnte aber nicht verbalisieren. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Fähigkeit, am Fahrrad das Gleichgewicht zu halten. Wer das vermag, kennt – aber eben nur implizit – eine komplexe physikalische Regel, die Neigungswinkel, aktuelle Geschwindigkeit und Lenkeinschlag berücksichtigt.
2 www.trainmor-knowmore.eu
3 http://www.orgnet.com/sna.html
4 http://lrs.ed.uiuc.edu/tse-portal/analysis/social-network-analysis/
5 http://domino.watson.ibm.com/
6 Kristina Groth, ‘Using Social Networks for knowledge Management’.