11.4.3 Implementierung von SNA

Implementierungsprozedur

Nach Patti Anklam1 bedarf ein Soziale Netzwerkanalyse Projekt folgender Schritte:

1) Gruppenbestimmung
Der erste Schritt einer Soziale Netzwerkanalyse ist die genaue Definition der zu untersuchenden Gruppe. In einer Unternehmensberatung könnte die Gruppe aus solchen Beratern bestehen, die auf einen bestimmten Bereich spezialisiert sind. Eine Gruppe kann aus Menschen zusammen gesetzt sein,2 die mit einer ganz bestimmten Aufgabe befasst sind, einem Software-Entwicklungsteam zum Beispiel. Es können Mitglieder des Managements aus unterschiedlichen Unternehmenseinheiten sein, oder Mitglieder eines temporär eingerichteten Projektteams. Die individuellen Einheiten eine Gruppe werden üblicherweise als Akteure oder Knoten bezeichnet.3 Für KMUs wird in der Regel die Gruppe aus allen Mitarbeitern des Unternehmens bestehen.

2) Herstellen des Zusammenhangs
Zur Festlegung des unternehmerischen Kontexts, der gegebenen Möglichkeiten und der aktiven Involvierung der Geschäftsleitung in das Projekt werden Interviews durchgeführt. Vorhab-Interviews mit den Führungskräften,4 bevor die eigentliche Erhebung ausgearbeitet wird, helfen, dass die Fragen im richtigen Zusammenhang mit der Organisation gestellt und nicht fehlinterpretiert werden. Diese Phase erleichtert es der Geschäftsleitung, ihre Auffassung über vergangene Probleme im Zusammenhang mit dem Wissensmanagement darzustellen, beispielsweise mangelnde Kooperation, hohe Mitarbeiterfluktuation sowie andere Qualitätsprobleme etc. Die genaue Bestimmung des Zusammenhangs hilft dem SNA-Team bzw. dem Experten, sicher zu stellen, dass ein starkes, informatives Feedback zustande kommt, das wiederum der Prioritätensetzung bei Problemen dient, zielgerichteteres Handeln ermöglicht und zu treffenderen Fragen führt.5
Jede Organisation kann sich ein SNA-Team leisten. KMUs können einen Experten für Wissensmanagement oder einen SNA-Experten beauftragen, um eine Soziale Netzwerkanalyse durchführen zu lassen.

3) Ausarbeitung der Erhebung
In diesem Stadium sollten die Fragen, wer in die Erhebung einbezogen werden soll und welche Facetten der Beziehungen ausgeleuchtet werden sollen, beantwortet sein. Weitere Aspekte der Umfrage können die Häufigkeit, mit der Individuen Informationen nachfragen, sein, die Qualität der Kommunikation, Entscheidungsprozesse, etc.

Typische Fragen für ein SNA-Projekt:

  • Zu wem in Ihrer Abteilung / Organisation ist Ihr Vertrauen am größten, wenn Sie sich Rat bei technischen Problemen holen wollen?
  • Mit wem sprechen Sie am häufigsten in informellen Pausen?
  • An wen wenden Sie sich, wenn Sie Unternehmensprobleme diskutieren möchten?
  • Wie oft fragen Sie Kollegen um allgemeinen Rat?
  • Falls es zu einem Thema keinen Experten in Ihrem Unternehmen gibt, wen rufen Sie an oder besuchen Sie, um Informationen über externe Experten oder externes Wissen zu erhalten?
  • Welches sind die ersten drei Personen, bei denen Sie Rat holen, wenn es um einen der folgenden Bereiche geht: Allgemeiner unternehmerischer Rat, IT-Probleme, Marketing- und Vertriebsprobleme?
  • Wenn Sie – während Sie ein Projekt-Team zusammenstellen - nach europäischen Partnern für ein Innovationsprojekt suchen, wen kontaktieren Sie?6 

Versuchen Sie nun, die oben stehenden Fragen für Ihre eigene Arbeitsumgebung zu beantworten. Zu welcher Schlussfolgerung gelangen Sie, was die Interaktionen mit Ihren Kollegen angeht?

4) Kommunikation und Durchführung der Erhebung
Ziel und Bedeutung der Erhebung müssen den Adressaten unmissverständlich klar gemacht werden; ebenso spürbar deutlich muss auf deren Anliegen und Fragen Eingegangen werden. Entscheidend in diesem Stadium ist die ausdrückliche Unterstützung der Geschäftsleitung, denn nur sie stellt sicher, dass alle befragten Teilnehmer der Erhebung sich genug entsprechend engagieren.7

5) Datensammlung
Interaktionen: Eine SNA betrachtet die Beziehungen, in denen wir involviert sind, und sie wird je nach unserem Grund für die Durchführung der Studie variieren. Im Falle der Unternehmensberatung sind wir vielleicht daran interessiert, Kommunikationsmuster zu analysieren, indem wir herausfinden, welche Berater untereinander interagieren, um kundenbezogene Informationen zu erhalten. Interaktionen sind definiert als Links oder Bindungen zwischen Menschen. Das Interaktionsmuster innerhalb einer Gruppe wird Soziales Netzwerk genannt.8

Zum Zweck der Sozialen Netzwerkanalyse werden Informationen üblicherweise mit Hilfe von Interviews, Fragenkatalogen und Beobachtungen erlangt. (Garton, Haythornthwaite & Wellman 1999).
Es gibt drei hauptsächliche Verfahren zur Datensammlung in der SNA.

Voll-Netzwerk Methode
Diese Methode erfordert das Sammeln von Daten über die Bindungen jedes Akteurs zu anderen Akteuren in der Organisation. Obwohl dies kostspielig sein kann und die Antwortrate evtl. nicht so hoch sein wird, wie erwartet, wird sie immer noch als die Methode angesehen, die die meisten Informationen liefert.9

Schneeballmethode
Die Datensammlung beginnt mit einem oder mehreren der im Mittelpunkt stehenden Akteure (Schlüsselpersonen), die anschließend gebeten werden, Informationen über ihre Bindungen zu den anderen Akteuren zu liefern. Jeder dieser Akteure wird dann wiederum über seine eigenen Bindungen befragt. Die Datensammlung wird beendet, wenn keine neuen Akteure mehr identifiziert werden oder wenn eine ausreichende, repräsentative Datenmenge erreicht ist. Nachteile dieser Methode sind die Unmöglichkeit der Identifizierung isolierter Akteure und die Schwierigkeit, den oder die Schlüsselpersonen zu bestimmen.10

Egozentrische Netzwerke
Die Datensammlung beginnt mit einer Liste vorher definierter im Mittelpunkt stehender Akteure. Wie bei der Schneeballmethode wird auch hier jeder dieser Akteure (ego) über seine Beziehungen zu anderen Akteuren (alter) befragt. Anschließend können die Bindungen der „alters“ identifiziert oder nicht identifiziert werden, was von den Anforderungen an den Datenpool abhängt.11

6) Vorbereitende Analyse und Interpretation
Attribute: Attributdaten können helfen herauszufinden, ob es systemische Faktoren gibt, die die Interaktionen zwischen den Menschen beeinflussen. Wir stellen zum Beispiel des Öfteren fest, dass die Mitarbeiter einer Unternehmenseinheit keinen regelmäßigen Informationsaustausch mit den Mitarbeitern einer anderen Einheit unterhalten. Die Faktoren, die dies beeinflussen, reichen von Incentive-Programmen, die die Menschen motivieren, ihre Zeit mit anderen Mitarbeitern aus der eigenen Einheit zu verbringen, bis hin zu „kulturellen“ Unterschieden wie Sprache oder Arbeitsethos, die es den Menschen erschweren, miteinander zu kommunizieren.

Im Fall der Unternehmensberatung umfassen die Attribute, die die Interaktionen beeinflussen, unter Umständen den Arbeitsort der Berater (Land, geographische Region), die Unternehmenseinheit, in der sie sich befinden (Marketing, Vertrieb, Entwicklung), ihre Persönlichkeitsmerkmale, ihren Einfluss im Unternehmen und wie lange sie bereits im Unternehmen tätig sind. Die SNA schließt nur solche Attribute ein, von denen anzunehmen ist, sie beeinflussten die Interaktionen.12

SNA Methoden bieten viele Alternativen der Datenanalyse und sie können sowohl visuelle Darstellungen (Netzwerk-Profile) als auch quantitative Daten liefern. Interviews mit Projekt-Sponsoren zur Interpretation und Validierung der vorläufigen Resultate, sowie Interviews mit ausgewählten Individuen sollten in diesen Schritt eingeschlossen werden, um den endgültigen Inhalt und Zusammenhang der Interaktionen zu bestimmen.

7) Kommunizieren der Ergebnisse
Das SNA Projekt schließt mit der Interpretation und Beratung der Ergebnisse, die sowohl den Führungskräften als auch den Mitarbeitern präsentiert werden, und gegebenenfalls mit Workshops, die abschließende Empfehlungen für zu treffende Maßnahmen erarbeiten.13

Sind Sie interessiert, eine SNA für Ihr persönliches oder berufliches Netzwerk durchzuführen?
Für weitere Informationen schauen Sie bitte in den Anhang, der eine Liste mit Links auf SNA-Software und SNA-Portale enthält.

Erfolgsfaktoren14

  • Es ist sehr wichtig, immer im Auge zu behalten, dass eine Soziale Netzwerkanalyse ein Mittel zum Zweck ist – in unserem Beispiel das Wissensmanagement - und kein Selbstzweck. Im Übrigen und weil SNA teuer sind, sollte man sie nicht einsetzen, wenn sie nicht als wesentliche Komponente in eine umfassende Wissensmanagement-Strategie eingebunden ist.
  • Mehrere Unternehmen und Organisationen berichteten von Problemen bei der Durchführung von SNA, weil sich die Mitarbeiter dagegen wehrten, ihre Beziehungen dokumentieren zu lassen. Dieser verständliche Widerstand kann überwunden werden, wenn das Versprechen abgegeben wird, die Daten vertraulich zu behandeln und wenn angeboten wird, jedem Einzelnen eine Karte seines „persönlichen Netzwerks“ zugänglich zu machen. Eine andere Lösung wäre, allen Akteuren die persönlichen Netzwerke alle anderen zur Verfügung zu stellen. (Gegenseitigkeit)
  • SNA allein wird nicht immer in der Lage sein, entscheidende Informationen darüber zu liefern, warum die Menschen sich so verhalten, wie sie sich verhalten. SNA als Wissensmanagement-Verfahren ist im Wesentlichen eine eindimensionale Analyse, die durch demographische Daten und - am wichtigsten – durch Feedback über die unterschiedlichen Einstellungen der Menschen ergänzt werden muss.


1 http://www.byeday.net
2 http://domino.watson.ibm.com/cambridge/research.nsf/0/
3f23b2d424be0da6852570a500709975/
$FILE/TR_2005-10.pdf

3 Kristina Groth, ‘Using Social Networks for knowledge Management’
4 
http://domino.watson.ibm.com/cambridge/research.nsf/0/
3f23b2d424be0da6852570a500709975/
$FILE/TR_2005-10.pdf
5 www.trainmor-knowmore.eu
6 ebd
7 ebd
8 Kristina Groth, ‘Using Social Networks for knowledge Management’
9 www.trainmor-knowmore.eu
10 ebd
11 ebd
12 Kristina Groth, ‘Using Social Networks for knowledge Management’
13 www.trainmor-knowmore.eu
14 ebd