11.5.4 Ressourcen und Implikationen für Geschäftsabläufe

Strategische Allianzen müssen durch die Geschäftsleitung aktiv unterstützt werden, und sie müssen auf allen Mitarbeiterebenen implementiert werden.

Kooperationen bringen die Mitarbeiter in Kontakt mit ganz verschiedenen Arten von Organisationen und Individuen, deren Arbeitsweise sich von der eigenen unterscheidet. Dies kann anregend und herausfordernd sein.

Gegebenenfalls sind Schulungen erforderlich, um die Mitarbeiter mit anderen Wertesystemen und Managementkulturen vertraut zu machen. Die Vermittlung von Kreativitätstechniken1  ist ein gangbarer Weg, dies zu erreichen; auch internes Coaching kann hier nützlich sein.

Je intensiver die Kooperation wird, umso wichtiger werden deren Ziele und Aktivitäten im Vergleich zu denen der einzelnen Unternehmen. Diese werden entweder ihre ursprünglichen Geschäftsinteressen aufrechterhalten, sie können aber auch die Gelegenheit nutzen, sich dramatisch zu verändern. Solche Veränderungen haben auch Einfluss auf Kunden und die anderen Allianzpartner. Wenn das gegenseitige Vertrauen groß genug ist, kann dies innerhalb der Allianz diskutiert werden, und man kann gemeinsam aus der Situation lernen. Wo dieses Vertrauen nicht gegeben ist, kann es sich als nützlich erweisen, Kreativitätstechniken und Beratungshilfen einzusetzen, um strategisches Denken zu fördern.

Wenn eine Strategische Allianz als Teil der Geschäftsstrategie erst einmal etabliert ist, so wird sie zu ihrem selbstverständlichen Bestandteil, und sie wird sich selbst tragen. Daher sollten in diesem Zusammenhang auch einige langfristige Implikationen solcher Netzwerke betrachtet werden. In welche Richtung bringen sie das Unternehmen? Lenken sie das Unternehmen von seinem primären Ziel ab? Wird das Unternehmen zu stark abhängig von einer anderen Organisation und aus diesem Grund verwundbar?2

Die Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen (Universitäten) und der Wirtschaft werden überall in Europa intensiver, während der Anteil der Grundlagenforschung in den Unternehmen abzunehmen scheint. Als Ergebnis dieses Trends scheint sich die finanzielle Leistungsfähigkeit der Unternehmen zu verbessern. Doch wenn sie durch ihre Kooperationspolitik entscheidende Fähigkeiten in dynamischen Wissenschafts- und Technologiefeldern einbüßen, sind sie eventuell nicht in der Lage, neue Technologien der Zukunft zu adaptieren. Unternehmen müssen deshalb genau erwägen, wie sie mit Universitäten (und anderen Forschungseinrichtungen) umgehen und wie sie durch den Prozess der Kooperation lernen. Wenn sie ausschließlich darauf abzielen, die Resultate eines Projekts zu erhalten, wie sie es bei einem Sub-Unternehmer tun würden, so verpassen sie viele Chancen.3

Bitte halten Sie einen Moment inne und denken Sie nach!
Braucht Ihr Unternehmen die Zusammenarbeit mit Universitäten und/oder Technologiezentren? Falls dem so ist: Ist Ihr Unternehmen an Wissenstransfer interessiert oder will es einfach nur die Forschungsergebnisse verwerten?

Eine wichtige Organisation in einer Strategischen Allianz kann im Lauf der Zeit ausscheiden oder sich in einem anderen Netzwerk engagieren; daher müssen die Entwicklung und die strategischen Ziele der einzelnen Partner eines Netzwerks immer wieder neu definiert werden. Bei bedeutenden Vorhaben müssen demzufolge die Risiken und Konsequenzen solcher Situationen im Voraus anlysiert werden.

Wenn die Allianz einmal begonnen hat, so können sich neue Verfahrensweisen ergeben, die das Unternehmen in viel versprechende neue Felder führen, die vorher gar nicht voraus zu sehen waren. Dies kann sehr motivierend sein, doch es muss kontrolliert werden und in die technologisch-strategischen Überlegungen des Unternehmens eingebunden sein.

Falls die Strategische Allianz in traditioneller Weise mit funktionalen Verantwortlichkeiten entworfen wurde, dann können manche der erwarteten Vorteile, die ein Netzwerk normalerweise mit sich bringt, verloren gehen. Allianzen erfordern und resultieren in neuen Organisationsstrukturen, nicht einfach nur in Verbindungen zwischen existierenden Organisationen.


1  Für weitere Informationen über Kreativitätstechniken siehe Kapitel 4 – Hilfsmittel zur Entwicklung innovativer Lösungen
2  TEMAGUIDE
3  ebd