7.3.2 Warum eine Strategie zum Schutz geistigen Eigentums?

Die Kenntnis der Grundelemente einer Strategie zum Schutz geistigen Eigentums und deren Einbettung in die Gesamtstrategie einer Organisation ist in der „New Economy“ von noch größerer Bedeutung als zuvor. In der Wissensgesellschaft verlagert sich das Geschehen weg von den „greifbaren“ Vermögenswerten zu den immateriellen Vermögenswerten, unter denen das geistige Eigentum eine wichtige Rolle spielt. Eine der Vorbedingungen für die Teilnahme am heute existierenden Wettbewerb ist die, dass eine Organisation geistiges Eigentum kreiert, produziert, es kommerzialisiert und ihre Rechte daran schützt. Entscheidungen über die Strategie zum Schutz geistigen Eigentums beziehen sich oft auf einen langen Zeitraum, und diese Entscheidungen sind praktisch irreversibel. Das liegt nicht an hohen Investitionen, die mit dem fraglichen Konzept verbunden sind, sondern in der Wahl der Entscheidung selbst. Auf der Ebene, auf der strategische Entscheidungen getroffen werden, ist das „was getan werden sollte“, wichtiger als das „wie und wie viel“ Element. Eine Strategie zum Schutz geistigen Eigentums, das etliche Millionen Euro wert sein kann, kann für eine relativ bescheidene Geldsumme umgesetzt werden. Auf der anderen Seite können Fehler in diesem Bereich unglaublich teuer werden. Man sollte die Rechte an geistigem Eigentum daher in hohem Maße als Marketinggröße ansehen. Da sich viele Geschäftsfelder sehr schnell ändern und da keine Organisation alle denkbaren Wege verfolgen kann, ist die strategische Verwendung von geistigem Eigentum unter Umständen eine Möglichkeit.

Konsequenterweise wird geistiges Eigentum immer mehr zu einer wichtigen Investition, die als Vermögenswert zählt und daher den Unternehmen einen signifikanten Mehrwert verschaffen kann, wenn es um Wettbewerbsvorteile, Nachhaltigkeit, Attraktivität und Gewinne geht:1

McKinsey: 40 untersuchte innovative Technologie-Unternehmen könnten den operativen Gewinn um 10-20% steigern, würden sie ihr geistiges Eigentum besser nutzen, doch nur ein Bruchteil tut dies auch.

Sarbanes-Oxley verlangt, dass Unternehmen, deren Anteile öffentlich gehandelt werden, „wichtige“ in geistigem Eigentum bestehende Vermögenswerte, sämtliche aus geistigem Eigentum resultierenden Risikofaktoren und alle Rechtstreitigkeiten um geistiges Eigentum in einem Jahresbericht aufführen, wobei dieser Bericht auch Schäden und Verluste an geistigem Eigentum aufführen sollte.2

Nachdem Sie nun die Beschreibung der Bedeutung einer Strategie zum Schutz geistigen Eigentums gelesen haben, ist es an Ihnen, Betrachtungen darüber anzustellen, ob Ihre Organisation eine angemessene Strategie zum Schutz geistigen Eigentums entwickeln und verfolgen sollte. Glauben Sie, Ihre Organisation brauche eine solche Strategie? Warum? In welchem Bereich war Ihre Organisation bisher nicht aufmerksam genug? Bei der Akquisition, Nutzung, Überwachung oder der Durchsetzung? Falls Sie dies an diesem Punkt noch nicht beantworten können, fahren Sie mit dem Lesen dieses Moduls fort und beantworten Sie die Frage später, wenn Sie einen besseren Überblick haben.


1 www.falcoarcher.com/FalcoArcherIPStratFndm0105.ppt
2 InnoSupport: Supporting Innovations in SME, 7.4 IP management strategy, 2005