7.3.5 Fallstudie

Entwicklung einer Strategie zum Schutz geistigen Eigentums bei Eidon Ricerca Sviluppo Documentazione1 

Eidon Ricerca Sviluppo Documentazione S.p.A., angesiedelt an den beiden Standorten Udine und Trieste in Norditalien, ist sowohl unabhängige Forschungseinrichtung als auch privatwirtschaftliches Ingenieurbüro. Eidon ist vom italienischen Ministerium für Ausbildung, Hochschulen und Forschung als hochqualifizierte Institution im Bereich der Elektronik und der Informationstechnologie anerkannt. Eidon unterstützt andere Unternehmen innovative beim Outsourcing von deren F&E.

Das Wettbewerbsumfeld der angewandten Forschung in den ITC-Branchen ist äußerst dynamisch und es ist gekennzeichnet von rapider technologischer Evolution. Das Unternehmen hält es für entscheidend, technologische Veränderungen und Fortschritte, die kritisch für die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sein könnten zu verfolgen. In den vergangenen 4 Jahren hat das Unternehmen Verfahren zu Überwachung von Informationstechnologie entwickelt, die von hochqualifizierten Mitarbeitern durchgeführt werden.

Das Monitoring umfasst Studien und informelle Erhebungen, um Wettbewerber zu identifizieren, und es wird unter Benutzung des Internet durchgeführt, wobei die Fachpresse beobachtet, an nationalen und internationalen Workshops und Konferenzen teilgenommen und mit Universitäten und anderen Forschungszentren zusammen gearbeitet werden. Darüber hinaus werden gezielt Besuche durchgeführt, Marktanalysen erstellt, Patentdatenbanken abgefragt (selten) und Informationsvermittlungsstellen eingeschaltet (selten).

Seit seiner Gründung 1979 lässt sich das Unternehmen seine Warenzeichen schützen, um eine solide Corporate Identity und ein starkes externes Image zu begründen. Der Schutz von Warenzeichen wird mit dem Unternehmenslogo assoziiert, einem doppelten Pfeil, der das Konzept von der tiefgehenden Recherche und der daraus hervorgehenden Problemlösung repräsentiert.

Das Unternehmen sieht den Patentschutz als entscheidend für innovative Hightech-Problemlösungen an und hält selbst 15 Patente in so unterschiedlichen industriellen Bereichen wie der Herstellung von Ziegeln, in der Keramikindustrie, der Chemie und Petrochemie, der Lebensmittelproduktion, der Pharmazie und der Marmorverarbeitung. Doch bei Folge-Innovationen, wenn der Time-to-Market Faktor kritischer ist als technologische Aspekte, ist sich das Unternehmen durchaus darüber klar, dass eine Patenterteilung zur verfrühten Preisgabe strategischer Informationen führen kann, weil sie Dritten erst durch das Patent überhaupt bekannt werden. Wenn es um softwareintensive Produkte geht, verlässt sich Eidon daher lieber auf den Schutz durch das Copyright. Eidons Originalsoftware ist durch das Copyright geschützt. Zugriffsrechte auf Software, die normalerweise auf dem Exklusivlizenz-Modell basieren, schließen normalerweise den Zugriff auf den Quellcode nicht ein; dieses Recht wird nur in Ausnahmefällen gewährt und bedarf zusätzlicher Vereinbarungen.

Eidons Standard F&E Vertrag besteht aus einer interessanten Mischung aus Maßnahmen zum Schutz geistigen Eigentums, die die Komplexität der vertraglich vereinbarten Forschungsaktivitäten widerspiegelt. Oftmals sind die Interessen von Kunden und F&E Zentren nicht deckungsgleich, wenn es um während eines Projekts entstehendes, patentierbares Wissen geht. Der Kunde will das Exklusivrecht an dessen Nutzung, während die F&E Organisation das Wissen für weitere Entwicklungen verwenden will. Im Bewusstsein dieses Dilemmas fand Eidon einen Kompromiss, der die Kerninteressen beider Seiten wahrt; er basiert auf den folgenden drei Punkten:

  • Vertraulichkeit
  • Anerkennung des geistigen Eigentums von Eidon an der Basistechnologie
  • Anerkennung des Rechts des Kunden, sich die geistigen Eigentumsrechte an einer spezifischen Applikation zu sichern.


Eidons Rechte an dem geistigen Eigentum bestehen hauptsächlich auf nationaler Ebene, auch wenn das Unternehmen inzwischen einige europäische Patente beantragt hat. Das Antragsverfahren wird mit Hilfe externer Rechtsexperten betrieben, die für die korrekte Umsetzung der ausgewählten unterschiedlichen Schutzmaßnahmen für das geistige Eigentum verantwortlich sind.


1 www.wipo.int/sme/en/case_studies/eidon.htm