10.3.4 Wie kann Wissensmanagement im Unternehmen (weiter)entwickelt werden?

Wie schon in den anderen Kapiteln dieses Leitfadens möchten wir grundlegende Informationen zu einem Thema vermitteln. Dies wird Ihnen helfen, fundierte Entscheidungen darüber zu treffen, ob eine tiefergehende Beschäftigung hiermit notwendig ist oder nicht. In diesem Abschnitt wollen wir erarbeiten, wie wir eine grundlegende Strategie für das Wissensmanagement bestimmen können. Dies ist die Voraussetzung für die Planung des Wissensmanagements als Prozess und die Auswahl der richtigen Werkzeuge.
Bereits zu Beginn hatten wir festgestellt, dass Wissensmanagement der Kontinuität bedarf. Es ist nicht möglich, sich nach einer einmaligen Aktion zurückzulehnen. Wir können mit wenigen und einfachen Maßnahmen beginnen und diese Schritt für Schritt ausbauen. Was bedeutet hier „wir“? Wenn Sie diesen Baustein aus der Managerperspektive lesen, dann sollten Sie nicht versucht sein, sich dies als zusätzliche Aufgabe aufzubürden. Sie werden in den täglichen Anforderungen kaum die Zeit finden, um Kontinuität herzustellen. Wissensmanagement braucht Ihre kontinuierliche Förderung, grundsätzliche Steuerung und Kontrolle.

Prüfen Sie:
Wer von Ihren Mitarbeitern wird im Team gut akzeptiert, ist kommunikativ, engagiert, positiv und zuverlässig? Dies kann Ihr „Wissensarbeiter“ sein. Sie oder er sollte die Verantwortung nicht als Last empfinden. Stellen Sie Zeit für die hiermit verbunden Aktivitäten und auch für die Aneignung notwendiger Kenntnisse zur Verfügung.   Würdigen Sie das Engagement als das was es ist – als einen wichtigen Beitrag zur Unternehmensentwicklung!

Identifizieren von möglichen Ausgangspunkten und ersten Schritten  im Wissensmanagement
Wie ist die Situation in Ihrem Unternehmen?

Der Wissensmanagement-Dreiklang

Wenn wir Wissensmanagement einführen und weiterentwickeln wollen, so müssen wir hierbei immer den Wissensmanagement-Dreiklang im Auge behalten:

Aus unserer zuvor bearbeiteten Prüfliste haben wir vielleicht abgeleitet, dass wir gern einen Informationsspeicher zu den Erfahrungen abgeschlossener Projekte einrichten möchten. Wie geht es nun weiter? Technik – wir richten eine kleine Datenbank ein.  Organisation – auch das haben wir schnell getan – wir haben eine Information an alle Kollegen gegeben, dass Sie die Informationen in den Informationsspeicher eintragen sollen. Wir schauen nach zwei Monaten nach, was passiert ist. Die Datenbank ist noch leer!? Woran kann es liegen? Wir müssen alle drei Faktoren betrachten. Die Datenbank ist eingerichtet und funktioniert. Was ist mit den Faktoren Mensch und Organisation? Haben wir eine Einführung zur Nutzung der Datenbank gegeben? Haben wir Zeit zur Verfügung gestellt, Informationen einzutragen? Wir haben darum gebeten, wichtiges individuelles Wissen preiszugeben. Warum sollte der Mitarbeiter dies unbedingt mit anderen teilen wollen? Haben wir das geprüft und überlegt, welchen Anreiz wir ggf. geben können oder müssen? In einem anderen Fall haben wir vielleicht all dies bedacht, aber die technische Seite ist eventuell zu kompliziert und zeitaufwändig. Wir müssen aus diesem Grund immer alle drei Seiten zusammen betrachten.

Wie finde ich Kriterien zur Auswahl der Wissensmanagement-Werkzeug?4
Der Katalog möglicher Werkzeuge ist sehr umfangreich. Wie finde ich die für mich geeigneten? Wir möchten Ihnen dabei helfen.


Abb. 3: Allgemeine Strategien im Wissensmanagement – Personalisierung und Kodifizierung

In der Praxis werden wir sicher immer eine Mischung beider Aufgaben und Aktivitäten vorfinden. Wenn wir jedoch nach dem Kerngeschäft fragen, und dies auf einzelne Mitarbeiter und Mitarbeitergruppen beziehen, werden wir einfacher die eine oder andere Strategie erkennen und gezielt mit den jeweils entsprechenden Werkzeugen des Wissensmanagements untersetzen können.
Da der Leitfaden primär auf Innovation ausgerichtet ist, richten wir das Augenmerk im Folgenden auf die Personalisierungsstrategie.
Eine ausführliche Vorstellung geeigneter Werkzeuge werden Sie insbesondere im Lernbaustein 4 zu den Ideenfindungstechniken finden. Anregungen, wie man den Austausch von impliziten, also im Kopf des einzelnen Mitarbeiters gespeichertem, Wissen fördert finden Sie auch im Baustein 11- Netzwerke für Innovationen, beispielsweise im Abschnitt 11.3 Communities of Practise (CoPs).
Informationen zu Werkzeugen für die Kodifizierungsstrategie (Datenbank, strukturierte Laufwerke) finden Sie im Internet sowie in Angeboten von Bildungsdienstleistern.5
Zusammenfassend wollen wir noch einmal feststellen, dass es sinnvoll ist, Werkzeuge zu unterscheiden
a) die besser die Kodifizierung unterstützen – also dabei helfen, explizites Wissen zu verteilen und zu speichern und
b) solchen, die Personalisierungsstrategien unterstützen – also helfen, “unsichtbares” Expertenwissen für andere zugänglich zu machen.

Ein anderer Ansatz, um geeignete Werkzeuge zu bestimmen, berücksichtigt unterschiedliche Aufgaben des Wissensmanagements:

Abb. 4: Allgemeine Aufgaben des Wissensmanagements und geeignete Werkzeuge (Auswahl)


For this chapter we have used aspects from the practical approach to KM presented in Lucko/Trauner, 2005

1 Lucko/Trauner, 2005
2 See 4, particularly 4.1 Introduction to Creativity and 4.6 management of internal innovative proposals for motivation and incentive systems
3 See chapter 4 Finding innovative solutions, for further information
4 Lucko/Trauner, 2005
5 www.wissenmanagen.net/Wissenmanagen/Navigation/Werkzeugkasten/loesungen,did=324322.html