1.1.1.1 Was ist Innovation?

Bevor wir Innovation definieren, ist es sinnvoll, zwischen Innovation und Erfindung zu unterscheiden.

Innovation ist nicht gleich zu setzen mit Erfindung. Eine Innovation ist die Nutzbarmachung einer Erfindung in einem Produkt oder einem Prozess. Wenn ein Erfinder eine „Riesensache“ gefunden hat, aber nicht in der Lage ist, auch jemanden zu finden, der sie produzieren wird, dann bleibt die „Riesensache“ dem Rest der Welt verborgen.
Erfindungen können überall gemacht werden, in Universitäten, Forschungsinstituten, Unternehmen. Innovationen hingegen entstehen größtenteils in Unternehmen, auch wenn sie in anderen Organisationen ebenfalls entstehen können. Die Fähigkeit, aus einer Erfindung eine Innovation zu machen, erfordert die Kombination unterschiedlicher Kenntnisse und Fähigkeiten, Fertigkeiten und Ressourcen. Das Unternehmen muß beispielsweise über bestimmtes Produktionswissen, Marktkenntnis, finanzielle Ressourcen, Fertigungsanlagen, ein gut funktionierendes Distributionssystem usw. verfügen.

Hauptmerkmal jeder Innovation: Innovation ist ein kontinuierlicher Prozess.



Abb. 1: Innovationsprozess

Die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Europäischen Kommission in den Richtlinien zur Sammlung und Bewertung von Daten zu Innovationen (Oslo Manual1) vorgeschlagene Definition für Innovation ist folgende:

Innovation ist die Implementierung eines neuen oder signifikant verbesserten Produktes (Ware oder Dienstleistung) oder Prozesses, eine neue Marketingmethode oder eine neue organisatorische Methode in Geschäftsabläufen, Arbeitsplatzorganisation oder externen Beziehungen.2

Diese Definition von Innovation umfasst eine sehr breite Palette möglicher Innovationen. Die Minimalanforderung an eine Innovation ist, dass das Produkt, der Prozess, die Marketing- oder Organisationsmethode für das Unternehmen neu (oder signifikant verbessert) sein muss.3

Gemeinsames Merkmal jeder Innovation ist deren  Implementierung. Ein neues oder verbessertes Produkt ist implementiert, wenn es am Markt erfolgreich eingeführt ist. Neue Prozesse, Marketing- oder Organisationsmethoden sind implementiert, wenn sie im alltäglichen, operativen Geschäftsablauf erfolgreich eingesetzt werden.4

Die Art und Weise der Innovationsaktivitäten variiert stark von Unternehmen zu Unternehmen. Manche Unternehmen betreiben präzise definierte Innovationsprojekte wie die Entwicklung und Einführung eines neuen Produktes, während andere in erster Linie kontinuierlich Verbesserungen an ihren Produkten, Prozessen und Abläufen vornehmen. Beide Strategien können innovativ sein: Eine Innovation kann aus der Implementierung einer einzigen signifikanten Veränderung bestehen, oder aus einer Serie kleinerer, schrittweiser Veränderungen, die zusammen genommen eine signifikante Veränderung ergeben.5

Ein Unternehmen ist innovativ, wenn es eine Innovation im geplanten Zeitrahmen entsprechend den gesetzten Vorgaben implementiert hat.6

Zur genauen Abgrenzung von Innovation definiert das Oslo Manual auch Veränderungen in Unternehmen, die keine Innovationen sind:

  • Der Handel mit neuen oder verbesserten Produkten ist generell keine Produkt-Innovation für den Groß- oder Einzelhändler oder das Transport- und Lagerunternehmen.7
  • Der Kauf identischer Modelle bereits installierter Ausrüstung oder kleinere Erweiterungen und Updates existierender Ausrüstung oder Software sind keine Prozess-Innovationen. Ausrüstung oder Erweiterungen müssen sowohl neu für das Unternehmen sein als auch eine signifikante Verbesserung der Spezifikationen beinhalten.8
  • Unternehmen, die maßgeschneiderte Produkte nach den Vorgaben ihrer Kunden herstellen, fertigen Einzelstücke, die oftmals sehr komplex sind. Falls aber eines dieser Produkte nicht signifikant unterschiedliche Eigenschaften gegenüber den Produkten aufweist, die das Unternehmen zuvor hergestellt hat, handelt es sich auch hier nicht um eine Produktinnovation.9
  • Die Änderung des Preises eines Produktes oder der Produktivität eines Prozesses, die ausschließlich auf Änderungen des Preises von Produktionsfaktoren zurück zu führen ist, ist keine Innovation.
  • Es ist keine Innovation, wenn dasselbe PC-Modell zu geringeren Kosten hergestellt und zu einem geringeren Preis verkauft werden kann, ganz einfach weil der Preis für Computer-Chips gesunken ist.10
  • Es ist keine Innovation, wenn irgendetwas nicht mehr getan wird, selbst wenn es die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens verbessert.
  • Es ist es keine Innovation, wenn ein Hersteller von TV-Geräten die Produktion und den Verkauf eines mit einem DVD-Player kombinierten TV-Gerätes einstellt oder wenn ein Architekturbüro oder ein Bauunternehmen aufhört, Villenanlagen für Pensionäre zu bauen.
  • Ähnlich verhält es sich, wenn eine bestimmte Marketing- oder organisatorische Methode nicht mehr eingesetzt wird; auch das ist keine Innovation.11
  • In bestimmten Industrien, wie in der Bekleidungs- und in der Schuhindustrie, gibt es saisonbedingte Veränderungen an den gelieferten Produkten und Dienstleistungen, die von Änderungen des Erscheinungsbildes der entsprechenden Produkte begleitet  sein können. Solcherart routinemäßiger Veränderungen des Designs sind generell weder Produkt- noch Marketinginnovationen. So ist die anlässlich der neuen Saison erfolgte Einführung von Anoraks durch einen Bekleidungshersteller keine Produktinnovation, es sei denn, die Anoraks weisen signifikant verbesserte Eigenschaften auf. Wird jedoch die Gelegenheit des Saisonwechsels von diesem Unternehmen zum ersten Mal für eine fundamentale Änderung des Produktdesigns als Teil eines neuen Marketingzugangs genutzt, so sollte dies als Marketinginnovation angesehen werden.12

1 Oslo Manual, 3rd Edition. (2005). Guidelines for collecting and interpreting innovation data. 2 ebd., 146, S.46 3 ebd., 148, S.46 4 ebd., 150, S.47 5 ebd., 151, S.47 6 ebd., 152, S.47 7 ebd., 204, S.57 8 ebd., 199, S.56 9 ebd., 201, S.56 10 ebd., 200, S.56 11 ebd., 198, S.56 12 ebd., 203, S.57