1.1.2.5 Top-Down und Bottom-Up Innovation

Innovationen können entweder von oben nach unten – Top-Down – oder von unten nach oben – Bottom-Up initiiert werden.


Abb. 8: Top-down und Bottom-up Innovation

Top-Down Innovation (TDI) hat den Vorteil, dass die leitenden Personen das Tempo angeben – sie setzen die Ziele und stellen die Finanzierung sicher. Die Implementierung wird dem entsprechenden Fachpersonal überlassen.

Die das Projekt Ausführenden müssen nicht um Geldmittel ringen. Der Ansatz ist exakt geplant und mündet in genaue Direktiven wie beispielsweise:

  • Wir werden diesen neuen Markt erobern.
  • Wir werden ein Segment aus unserer jetzigen Produktlinie herausnehmen. 
  • Wir werden ein neues Produkt in ein neues Marktsegment einführen. 
  • Wir werden in diese neue Zukunftstechnologie investieren. 
  • Wir werden in Fertigungsautomation investieren.1

Solche Direktiven lassen keinen Zweifel daran, wo das Unternehmen seine Zukunft sieht. Die einzigen Restriktionen der Top-Down Innovation sind die personellen Ressourcen.

Beispiel für Top-Down:2

1982 begann Canon damit, ein neues Konzept für den Normalpapier-Kopierprozess zu entwickeln und untersuchte die potentiellen Möglichkeiten kompakter, leichtgewichtiger Kopiergeräte. Die Geschäftsleitung war sich darüber klar, dass dieser neue Kopierer nicht aus kleinen Verbesserungen an Komponenten und Design hervorgehen würde. Es bedurfte eine gründlichen Marktanalyse, anhand derer die erforderlichen Eigenschaften und Nutzen festgelegt werden würden. Canon berief ein hochkarätiges Projektteam. Es bestand aus dem:

  • Projektmanager – dem Direktor des Reprographic Products Development Center (RPDC), einem
  • Berater des Projektmanagers, dem
  • Direktor des Corporate Technical Planning and Operations Center,
  • Vertretern der Qualitätskontrolle, der Finanz- und der Marketingabteilung und einer
  • Einsatzgruppe zur Untersuchung auftretender Probleme beim Farbkopierprozess

Bottom-Up Innovation (BUI) hat ihren Ursprung nicht im Management, sondern in einer Fachabteilung und nicht unbedingt in deren Führung. Prinzipiell kann jede/r eine Bottom-Up Innovation auslösen oder an ihr beteiligt sein. BUI birgt die größten Herausforderungen an Innovatoren – Menschen, die anders denken, die viele Fragen stellen, vielerlei Interessen haben, die ohne Veränderungen unzufrieden sind, die mitunter als arrogant gelten, die eine neue Sichtweise einbringen, die öfter die Frage „warum nicht?“ stellen als die Frage „warum?“ und die ihren direkten Vorgesetzten manchmal Probleme bereiten – die aber gleichwohl das Lebenselixier des Unternehmens und seine Zukunft sind. Das sind die Leute, die Ideen haben und die willens sind, zu allererst die mühsame Prozedur auf sich zu nehmen, sich selbst zu überzeugen3 und anschließend verschiedene Management-Ebenen vom Wert ihrer Ideen überzeugen (können).4

Beispiel für Bottom-Up:5

3M operiert in 63 Ländern und fördert weltweit den Geist des Unternehmertums. 3M ist ein führender Hersteller von als Schicht auf ein Trägermaterial aufgebrachten, nicht verwebten Schleifmitteln, von aus komplexen Materialkomponenten bestehenden Klebebändern und Filmen, von Transportbändern und Absperrbändern, von medizinischen, pharmazeutischen und Gesundheitsinformationssystemen, von Verbindungs- Isolations- und Schutzprodukten für die Elektronikindustrie, von Post-It Haftnotizen und vieler anderer verwandter Produkte.Innovation ist Teil der Unternehmenskultur, die seit über 75 Jahren gefördert wird. Diese Unternehmenskultur bietet Handlungsfreiheit und Gelegenheit zur Untersuchung neuer Ideen, wird aber auch getragen von operativer und finanzieller Disziplin. Teil der Geschichte mancher Produkte des Unternehmens, die inzwischen zu seinen Hauptproduktionszweigen gehören, sind auch Kündigungsdrohungen des Managements falls die Betreffenden nicht aufhören würden, weiterhin Zeit auf eine Produktidee zu verwenden, die das Management nicht billigte. Die Unternehmensgeschichte offenbart aber auch, dass die Betreffenden ihre Vorhaben weiter betrieben, trotz gegenteiliger Weisung des Managements.


1 Gerard H.(Gus) Gaynor (2002). Innovation by Design: What It Takes to Keep Your Company on the Cutting Edge, S. 48
2 ebd., S. 48, 49
3 Weitere Informationen erhalten Sie auch in Modul 4.6 and 10.2.
4 Gerard H.(Gus) Gaynor (2002). Innovation by Design: What It Takes to Keep Your Company on the Cutting Edge, S. 51
5 ebd., S. 52, 53