1.1.3 Innovationsmaßstäbe

Wie misst man Erfindungsreichtum und Kreativität eines Unternehmens?
Wollen Sie herausfinden, ob Ihr Unternehmen innovativ ist?
Haben Sie das noch nicht gemacht?
Beginnen wir damit, etwas über Innovationsmaßstäbe zu lernen, denn dieses Thema ist grundlegend für nachhaltige Leistung und Wachstum innerhalb von Unternehmen.

Innovationsmaßstäbe sind organisatorische Meßsysteme, die helfen, die Innovationsfähigkeit und deren Erfolgsquote in einer Organisation zu klassifizieren. Innovationsmaßstäbe sind aus mehreren Gründen von Bedeutung.1

Innovationsmaßstäbe sind gleichermaßen wichtig für ein neu gegründetes Unternehmen und für ein seit Generationen international agierendes Großunternehmen. Innovationsmaßstäbe beeinflussen die Aktivitäten eines Unternehmens eausgehend von seinen Unternehmenszielen und seinen Interessen. Sie helfen dem Management, auf objektiven Daten basierende Entscheidungen zu treffen.

Die Messung des Erfolgs einer Innovation hängt  zum einen von der Form der Innovation ab und zum anderen hängt sie davon ab, wie der Erfolg gemessen werden soll, d.h. welchem Ansatz man dabei folgt. Da jede Innovation anders ist, und weil jedes Unternehmen andere Prioritäten hat, werden sich die angewendeten Methoden unterscheiden. Manche werden sich vollständig auf quantifizierbare finanzielle Erwartungen konzentrieren, während andere eine Mischung aus quantifizierbaren und qualifizierbaren Faktoren heranziehen werden.

Spezifische, messbare und nachvollziehbare Innovationsmaßstäbe erleichtern den Innovationsprozess und führen zu signifikant innovativeren Ergebnissen. Abbildung 9 zeigt Ihnen, warum Innovationsmaßstäbe so wichtig sind.

Abbildung 9: Warum Innovationsmaßstäbe wichtig sind2

Jede Innovation braucht drei unterschiedliche, aber miteinander in Beziehung stehende Komponenten: aus Inputs oder Ressourcen wie Personal und Finanzmittel; diese werden in Prozesse eingebracht, die die Inputs beeinflussen und transformieren und Outputs oder das Endergebnis, die sowohl Geldrückflüsse als auch indirekte Vorteile enthalten, wie zum Beispiel einen gestärkten Markennamen, erworbenes Wissen, das anderweitig eingesetzt werden kann etc. Alle drei Komponenten können und sollten gemessen werden.3

Halten Sie einen Moment inne und denken Sie nach: Welche Innovationsformen braucht Ihr Unternehmen, um seine Ziele zu erreichen? Denken Sie an Ihre Innnovationsziele und Ihre Strategie, und entscheiden Sie, was Ihre volle Aufmerksamkeit erfordert und was nicht. Für den Anfang verwenden Sie wenigstens einen der unten aufgeführten Maßstäbe. Denken Sie dabei daran, dass die Ausgewogenheit der verschiedenen Maßstäbe, innerhalb und über die drei Kategorien hinweg, der wichtigste Faktor ist.

Sie können zum Beispiel folgende Inputs messen:4

  • Zugewiesene finanzielle Ressourcen: Unternehmensfinanzen, Barmittel, Darlehen, Risikokapital etc. 
  • Personelle Ressourcen: ganz sicher die Zahl der MitarbeiterInnen, die an einer Innovation arbeiten. Wichtiger aber ist, zu verfolgen, wie die MitarbeiterInnen eingesetzt werden. Stellen Sie sicher, dass Sie genau wissen, wie und wofür sie ihre Zeit aufwenden. 
  • Die Zahl der produzierten Ideen und der für jede Idee erwartete finanzielle Rückfluss: Ideen sind ein wichtiger Input – der Treibstoff der Innovation. In vielen Unternehmen glaubt man, man habe nicht genügend Ideen, doch meistens ist das falsch. Wie auch immer, wenn Sie es nicht messen, werden Sie es nicht erfahren. Wenn Sie tatsächlich nicht genug gute Ideen haben, müssen Sie wissen, was Sie tun wollen, um die richtigen Schritte einzuleiten, die dieses Manko ausgleichen.5
  • F&E Ausgaben: Wie viel gibt das Unternehmen pro Jahr aus, um externe F&E Kompetenz einzukaufen?

Für Prozesse können Sie messen:6

  • Den Ressourcenverbrauch pro Projekt und im Durchschnitt. Ein Prozess muss effektiv und effizient sein. Die meisten Unternehmen können Effizienz recht einfach messen, also fangen Sie damit an – aber hören Sie nicht dort auf.
  • Die Zahl der Ideen, die es von einem Prozess-Stadium zum nächsten Stadium schaffen. Falls ein Prozess funktionieren soll: Funktioniert er wirklich? Was passiert innerhalb eines Prozesses zu einer gegebenen Zeit?

Für Outputs können Sie messen:7

  • Die Zahl der neuen Produkte oder Dienstleistungen, die auf den Markt gebracht worden sind. Auch wenn die absolute Zahl neuer Angebote kein finanzieller Output ist, müssen Sie wissen, was am Ende des Prozesses herauskommt.
  • Schrittweise Steigerungen von Umsätzen und Gewinnen. Ganz gleich ob eine Innovation die Veränderung eines Prozesses war, ein neues Produkt oder die Erhöhung der Kundenzufriedenheit: Jede Innovation muss sich auf den Gewinn auswirken.
  • Der ROI (Return on Investment) ihrer Innovationsaktivitäten. Das ist es, worauf es am Ende ankommt. Erhalten Sie genügend Rückflüsse aus den getätigten Investitionen? Der ROI aus Innovation ist das Schlüsselmaß, dafür, wie viel in Innovation investiert werden sollte.
  • Indirekter, nicht finanzieller Output muss ebenso gemessen werden. Die Zahl der beantragten Patente oder Schutzmarken, von Mitarbeitern verfasste wissenschaftliche Artikel können akquiriertes Wissen bedeuten.

Denken Sie daran, nicht alle Innovationsaspekte sind quantifizierbar!

Die meist genutzten Innovationsmaßstäbe sind: 

  • Prozentualer Anteil der diesjährigen Umsätze von neuen Produkten, die in den vergangenen X Jahren auf den Markt gebracht wurden. Einer Studie zufolge verwenden ca. 50% aller Unternehmen diesen Maßstab.8
  • F&E Ausgaben. Dieser Maßstab geht davon aus, dass die für Forschung und Entwicklung ausgegebene Summe direkt mit der Menge der innovativen Produkte, Dienstleitungen und Prozesse, die an die Öffentlichkeit gelangen, korreliert.9
  • Patenterwerb (Schutzmarken, Copyrights, Artikel). Manche Unternehmen entwickeln ein Patent nach dem anderen und stellen ihre Innovationsfähigkeit groß heraus. Andere hingegen lassen ihre Produkte und Prozesse nicht patentieren, sondern behandeln sie vertraulich. Ein erteiltes Patent bedeutet, dass das Wissen über die damit verbundene Innovation jedem zugänglich wird, der sich die Mühe macht, in der Patentliteratur zu recherchieren. Stolz auf die Zahl erteilter Patente bietet keine besondere Sicherheit, der Konkurrenz wirklich voraus zu sein. Die optimale Lösung ist, Patente zu besitzen, die einen signifikanten Mehrwert bedeuten.

Was die Zahl der zu verwendenden Maßstäbe angeht, werden Sie eher nicht zu wenige einsetzen wollen; andererseits aber auch nicht zu viele, denn sie erfordern Zeit, Arbeitsaufwand und Ressourcen. Innovationsexperten legen nahe, die ideale Zahl liege bei 8 bis 12. Wichtiger als „genau den richtigen“ Maßstab zu finden, ist es, Maßstäbe zu verwenden, die „nicht zu falsch“ sind.10

Halten Sie einen Moment inne und denken Sie nach: Suchen Sie einige der oben genannten Maßstäbe aus und beginnen Sie zu experimentieren. Beobachten Sie die Ergebnisse über einen gewissen Zeitraum, und Sie werden bald feststellen, welche Vorgehensweise für ihr Unternehmen wirklich erfolgreich ist und welche Kombinationen zu Ihnen passen


1 www.innovationtools.com/Articles/EnterpriseDetails.asp?a=146 2 ebd.3 The Boston Consulting Group (2006). Measuring innovation 2006, S. 64 ebd., S. 135 Weitere Informationen erhalten Sie auch in Modul 4.6.6 The Boston Consulting Group (2006). Measuring innovation 200, S. 137 ebd., S. 13, 148 www.triz-journal.com/archives/2003/03/d/04.pdf 9 www.realinnovation.com/content/what_is_innovation.asp 10 The Boston Consulting Group (2006). Measuring innovation 2006, S. 14